Experten: „Lassen Sie die Finger davon“

Keine geeigneten Standorte für Windpark

Für Windparks auf Vorrangflächen mit mindestens drei Mühlen gibt es im Lüdenscheider Stadtgebiet nicht genug Platz.

LÜDENSCHEID - Auch die Befürworter von Windkraftanlagen mussten im jüngsten Planungsausschuss zustimmen: Die langgesuchte Vorrangfläche für drei Mühlen in Lüdenscheid, deren Zulässigkeit auch noch fraglich ist, würde alle Einzelstandorte unmöglich machen – und damit auch eine höhere Zahl von Anlagen. daher folgte der Ausschuss der Experten-Empfehlung: „Lassen Sie die Finger davon.“

Was die Planungs-Politiker in der Untersuchung des Büros „Wolters Partner“ von Michael Ahn an Stolpergfalle für die Windkraft kredenzt bekamen, zeigte indes, wie ausgerechnet Arten-, Wald- und Gewässerschutz in Lüdenscheid die Energiewende über die Windkraft schier unmöglich machen.

Während „Kinderkrankheiten“ der ersten Anlagen wie Schatten- oder Eiswurf längst der Vergangenheit angehörten, seien es heute die stetig wachsende Höhe und der Lärm, die Anlieger mancherorts gegen Windräder Sturm laufen ließen, sagte Ahn. Allerdings: „Höhe ist ein physikalischer Zwang“, denn jeder Meter verbessere die Windernte um einen vollen Prozentpunkt. Denn weiter oben zieht es kräftiger, und eine doppelte Windgeschwindigkeit bringe eine achtfache höhere Ausbeute. Üblich seien für Städte wie Lüdenscheid heute Nabenhöhen von 150 Metern, hinzu kommen noch 50 Meter Flügel. Michael Ahn: „Das wird bei Ihnen hier sehr, sehr hoch aussehen.“

Zum Artenschutz: Fledermäusen reiße es beim Durchfliegen der enormen Turbulenzen und des Unterdrucks unter der Rotoren die Luftsäcke auf – die Tiere fallen vom Himmel, um dann von Füchsen gefressen zu werden – „Barotrauma“ nenne man das. Der ebenso streng geschützte Rotmilan kollidiere mit den Rotoren, wenn er im Schotter unter den Masten Mäuse jage. Problematisch seien auch neue Vorgaben, die für einen Windpark mindestens drei Mühlen und größere Abstände als früher vorschreiben. Grund: Turbulenzen machen nicht nur Fledermäusen, sondern auch den teuren Turbinen und Lagern in den Anlagen den Garaus.

Auch die Abstände zur Wohnbebauung von 800 Metern (bei Schallschutzbetrieb), die dank des bis zu 107 Dezibel starken Lärms eingehalten werden müssten, seien für die zu kleinen Flächen in Lüdenscheid ein Tabu. Das Land habe für die Energiewende keineswegs „den Wald“ für die Mühlen freigegeben, sondern nur Mischund Nadelbäume. Der Denkmalschutz für Homertturm oder Schloss Neuenhof setze weitere Grenzen.

Die einzig größeren zusammenhängenden Flächen fänden sich an der Versetalsperre. Doch dort fliege nachweislich der geschützte Schwarzstorch, und ein Windrad könne wegen der 60 Liter Öl, die es enthält, nicht nah am Gewässer stehen. Fazit von Jens Voß (SPD): „Es gibt noch andere regenerative Energien als Wind.“ - Thomas Hagemann

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