Keine Familienpolizei, sondern Partner der Eltern

Gabriele Böhm (vorne) wird künftig die Eltern neugeborener Kinder besuchen. Gemeinsam mit Gerda Klusemann, Hermann Scharwächter und Dr. Wolfgang Schröder (v.l.) stellte sie das neue Angebot des Jugendamtes vor.

LÜDENSCHEID ▪ Wenn Familienlotsin Gabriele Böhm in den nächsten Wochen an der Tür von Eltern neugeborener Lüdenscheider klingelt, dann hat sie eine prall gefüllte Begrüßungstasche dabei: einen Ordner mit mehr als 40 Elternbriefen, die praktische Tipps für den neuen Alltag mit Kind enthalten, Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und Informationen zu den vielfältigen Angeboten für Familien vor Ort.

Zwei Wochen vorher erhalten die Eltern ein Anschreiben des Bürgermeisters mit dem Datum des Neugeborenenbesuchs. „Ich werde da nicht mit erhobenem Zeigefinger auftreten. Den habe ich schon in der Kindertagesstätte weggelassen“, sagt Gabi Böhm, die auf eine 31-jährige Berufserfahrung als Erzieherin in der Kita am Hebberg bauen kann, wo sie auch weiterhin die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringen wird. Das neue Kinderschutzgesetz, das noch im Bundesrat verabschiedet werden muss, wird darin die Pflicht der Jugendämter zur Prävention festschreiben. In Lüdenscheid geht das Jugendamt diesen Weg schon seit 2008 mit dem Arbeitskreis „Frühen Hilfen“, der seitdem ein dichtes Netzwerk an Unterstützungsangeboten für Familien geschaffen hat. Dazu gehört nun auch der Baustein „Neugeborenenbesuche“.

„Das ist ein die konsequente Fortsetzung aus den Neugeborenenempfängen, die wir seit vier Jahren veranstalten und die sehr gut ankommen“, betont Jugendamtsleiter Hermann Scharwächter. „Wir wollen als Jugendamt unterstreichen, dass wir für den Eltern als Dienstleister zur Verfügung stehen, und das nicht oberlehrerhaft, sondern auf Augenhöhe“, betont Dr. Wolfgang Schröder. „Wir treten nicht als Familienpolizei oder Kontrolleure auf, sondern als Partner der Eltern.“ Gerda Klusemann, Abteilungsleiterin Familienhilfe, hebt den „vertrauensbildenden Charakter“ hervor.

Gabriele Böhm hat auch zwei kleine Geschenke dabei – ein Bade-Thermometer in Entenform und ein froschiges Kuscheltuch. Stadtwerke und Sparkasse sponsern dies. „Wir sind noch auf weitere Sponsoren angewiesen, um zum Neugeborenenbesuch dauerhaft attraktive Geschenke mitbringen zu können“, sagt Hermann Scharwächter.

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