Keine Bewährung für Drogendealer

Lüdenscheid - Der Staatsanwalt stöhnt in der Gerichtskantine beim Kaffee. „Immer dieselben Geschichten.“ Und meint wohl die stereotypen Ausreden, halbgaren Erklärungen und Lügen, die ihm stadtbekannte Drogendealer immer wieder auftischen. Wie zum Beispiel der 25-jährige Küchenhelfer auf der Anklagebank. Der hat jetzt die nächsten drei Jahre Zeit, sich bessere Geschichten auszudenken.

Denn Amtsrichter Thomas Kabus als Vorsitzender des Schöffengerichtes mag offenbar keine Geduld mehr mit ihm haben. Der zehnfach vorbestrafte Rauschgifthändler habe sich „eindeutig ein Verfahren zu viel gegönnt“, sagt der Richter. Und verurteilt ihn wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte zu 16 Monaten ohne Bewährung. Seit dem 15. Mai sitzt der junge Mann in U-Haft. Und aus vorherigen Urteilen kommen noch 14 Monate hinzu, die nun wohl verbüßt werden müssen.

Die Indizienlage ist einfach zu erdrückend. Zwei Mal erwischen ihn Polizisten mit verbotenen Sachen in der Tasche. Am 17. Oktober sind es 14,4 Gramm Cannabis, ein paar Klemmverschlusstütchen, eine Feinwaage, fünf Handys, mehrere Sim-Karten und 3655 Euro bar in der Hosentasche. Den Polizisten gelingt ein Zufallsfund. Sie stoppen den Mann in einem Auto, weil er nicht angeschnallt ist.

Ein weiterer Zufall endet in einer kurzen heftigen Verfolgung. Auf der Schemperstraße soll der 25-Jährige am 14. April einfach nur seinen Ausweis zeigen. Erst ziert er sich ein wenig, dann sagt er „Und tschüs“ zu dem Polizisten und rennt in Richtung Stern-Center davon. Der Polizist holt ihn ein. Der Gehetzte sagt zu ihm „Komm her!“ und hebt die Fäuste. Eine Passantin stellt ihm ein Bein, der Polizist setzt Pfefferspray ein, Flucht beendet. Knapp 100 Gramm Marihuana werden bei ihm gefunden, in einer Tüte, neben einem Paar Schuhe für 500 Euro, wie der Polizist sagt.

So weit also die Indizien. Doch der Angeklagte bleibt störrisch. Die Drogen im Auto habe ihm wohl „ein Gangster“ untergeschoben. Und die 100 Gramm? „Irgendein Afrikaner“ habe ihm das Zeug verkauft, hinterm Kulturhaus, und zwar „nur für den Eigenbedarf“. Niemand im Gerichtssaal lacht. Richter Kabus fragt in die Runde. „Noch Fragen?“ Strafverteidiger Ralf Nebel schüttelt den Kopf, der Staatsanwalt sagt „Nö!“. Der Angeklagte sagt: „Ich werde mich auf jeden Fall ändern.“ Es ist zu spät. Im Namen des Volkes. - von Olaf Moos

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