Keine Bewährung für Lüdenscheider „Autobumser“

LÜDENSCHEID/HAGEN - Ein 39-jähriger und ein 41-jähriger Lüdenscheider, die vor dem Landgericht Hagen eine Serie von gestellten Unfällen in Lüdenscheid und Umgebung gestanden hatten, müssen ins Gefängnis.

Wegen gewerbsmäßigen Betruges in 15 Fällen und vierfachen versuchten Betruges muss der 39-Jährige für drei Jahre in Haft. Sein Komplize kassierte wegen gewerbsmäßigen Betruges in elf Fällen und vier Versuchen eine Strafe von zwei Jahren und acht Monaten.

Am letzten Verhandlungstag war um das Strafmaß nochmals heftig gerungen worden. Oberstaatsanwalt Dr. Pauli nahm das „Geschäftsmodell“, die „einträgliche Einkommensquelle“ und das „Erfolgsmodell“ unter den Unfällen noch einmal ausführlich unter die Lupe: „Ein sehr kostenintensiver Streifschaden an der ganzen Seite, der allerdings auch sehr kostengünstig zu beheben ist“.

Nicht nur die Versicherungen seien auf diese Weise geschädigt worden: „Das war eine Tat gegen die Allgemeinheit der Versicherten, die uns alle als Beitragszahler belastet.“ Das System der Auto-Pflichtversicherung in Deutschland sei dabei ein Mechanismus gewesen, auf dem sich „kriminell bestens reiten lässt“. Eine Bewährungsstrafe sei nicht nachvollziehbar. Die Verteidiger stritten dennoch für eine bewährungsfähige Strafe: Die Versicherungen hätten ihren Mandanten die Betrügereien leicht gemacht, weitere Beteiligte hätten die Angeklagten ihrerseits zu weiteren Unfällen ermuntert, und zudem seien ihre Mandanten bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Schaden wieder gutzumachen.

Das Gericht minderte die vom Oberstaatsanwalt beantragte Haftstrafe um einige Monate, sah aber trotz der umfassenden Geständnisse der Angeklagten keinen Spielraum, den Anträgen der Verteidiger zu entsprechen. Auch die Vorsitzende Richterin Dr. Fiebig-Bauer blickte auf „das Verschließen der Augen“ durch „Personen, die den Angeklagten ihre ‚Arbeit’ erleichtert hatten – Anwälte und Sachverständige“. Weitere Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Betrug seien nicht ausgeschlossen.

Bei einem Unfall waren die Angeklagten nicht geständig gewesen: Doch auch den mussten sie sich nach dem überzeugenden Gutachten des Unfall-Experten Martin Kornau zurechnen lassen. Die Bedeutung des Gutachtens siedelte das Gericht sehr hoch an: Zum Zeitpunkt der Geständnisse sei die Beweislage bereits „hammerhart“ gewesen, sagte die Richterin. Dennoch seien das Geständnis und die Kooperationsbereitschaft auch im Hinblick auf weitere Verfahren sehr positiv zu bewerten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Thomas Krumm

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