Corona-Regeln

Gassi-Problem bei Quarantäne: Hundebesitzer scheitert mit Antrag für schwerkrankes Tier

Klaus-Peter Rose scheitert mit Antrag für seine schwerkranke Hündin Gibsy
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Klaus-Peter Rose scheiterte mit einem Antrag für seine schwerkranke Hündin.

Wer in häusliche Quarantäne geschickt wird, muss sich vorübergehend einschränken, darf die eigenen vier Wände nicht verlassen und ist auf Hilfe von außen angewiesen. Wer darüber hinaus für ein Tier verantwortlich ist, muss auch dessen Ausflüge ins Freie über Familienangehörige oder Nachbarn organisieren.

Lüdenscheid - Doch nicht immer geht dies problemlos vonstatten, beispielsweise dann, wenn der Hund schwer krank ist und nur wenige feste Bezugsperson hat. Wie im Fall von Klaus-Peter Rose.

Gemeinsam mit seiner positiv getesteten Frau wurde der Lüdenscheider vom Gesundheitsamt des Kreises in Quarantäne geschickt. Das Problem: Seine Elo-Hündin Gibsy leidet unter anderem an Epilepsie. Der kleinste Stress löst bei dem neunjährigen Tier Anfälle aus, die seine zu erwartende Lebenszeit verkürzen. Umso größer und wichtiger ist die Bindung zu ihren Bezugspersonen. Dies schilderte Klaus-Peter Rose auch dem Gesundheitsamt – mit der Bitte, trotz der Quarantäne dreimal am Tag mit seinem Schützling Gassi gehen zu können. „Dies wurde mir von verschiedenen Sachbearbeitern mündlich erlaubt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass dies in anderen Städten durchaus üblich sei.“

Nicht jedoch in Lüdenscheid: Als er dem Ordnungsamt bei einer Kontrolle die Situation schilderte, wurde er zunächst gebeten, sein Anliegen schriftlich einzureichen. „Ich habe daraufhin ein Attest vom Tierarzt besorgt und penibel aufgeschrieben, wann, wo und wie lange ich mit Gibsy unterwegs bin“, erinnert sich Rose, der bereits einmal geimpft ist und sich zudem jeden Morgen selbst auf eine Corona-Infektion hin testete – immer mit negativem Ergebnis. „Ich bin in 500 Metern im Wald, da begegne ich niemandem.“ All dies schilderte der Lüdenscheider schriftlich. Doch bereits am nächsten Morgen erfolgte die Absage: Nach intensiver Abstimmung und Prüfung der Umstände sei die Erteilung einer Sondergenehmigung nicht möglich, hieß es sinngemäß.

Kein Gassigehen in der Quarantäne

Auf Anfrage bestätigt Stadtsprecherin Marit Schulte das Vorliegen des Attestes, aus dem allerdings nicht hervorgehe, dass der Hund nur von seinem Besitzer ausgeführt werden kann. Weil zwischenzeitlich die Tochter das Ausführen des Hundes übernommen habe, sei keine Ausnahmegenehmigung möglich. Und zwar grundsätzlich nicht. Vielmehr könne die Stadt im Bedarfsfall eine Person vermitteln, die das Ausführen übernimmt oder auch Einkäufe erledigt. „Es ist uns bewusst, dass die Zeit in Quarantäne eine besonders belastende Situation ist. Aber zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist es wichtig, dass die Quarantäneregeln von allen eingehalten werden“, heißt es weiter.

Eine Entscheidung, die Klaus-Peter Rose letztlich akzeptieren musste: „Unsere Tochter, die im Homeoffice gearbeitet hat, hat Gibsy tagsüber betreut. Die letzte Runde am späten Abend hat dann eine dem Hund vertraute Nachbarin übernommen“, schildert Rose. Mittlerweile ist die Zeit überstanden, das Ehepaar aus der Quarantäne entlassen – und froh, nun wieder selbst mit ihrer Hündin rausgehen zu dürfen. Dennoch möchte Klaus-Peter Rose auf die Probleme mit Haustieren in Quarantäne aufmerksam machen und sensibilisieren. Denn für ihn steht fest: Das ständige Wechseln des Betreuers hat seiner Hündin psychisch schwer zugesetzt. Und so bleibt für ihn weiterhin die Frage, warum in anderen Kommunen Ausnahmen möglich sind.

Auf Anfrage bestätigte ein Sprecher des Kreises: „Handlungsspielräume sind in solchen Konstellationen im Einzelfall denkbar und für die Kommunen möglich – beispielsweise bei Vorlage eines Attests durch den Tierarzt“, heißt es dazu aus dem Kreishaus. Aber: „Es empfiehlt sich in solchen Fällen, das örtliche Ordnungsamt im Vorfeld zu kontaktieren, um die näheren Details abzusprechen und im Fall einer Kontrolle nicht in Schwierigkeiten zu geraten.“

Dass Kommunen im Kreis unterschiedlich mit Corona-Regelungen umgehen, zeigte sich zuletzt beim Zuckerfest nach dem Fastenmonat Ramadan: Während Muslime in Altena mit Maske in der Sauerlandhalle sowie in Werdohl auf dem Fußballplatz am Riesei zusammenkommen durften, gab es für die Gemeinde in Lüdenscheid eine Absage. Die Begründung: Die städtischen Anlagen, darunter das Nattenberg-Stadion, sind gesperrt.

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