Kein Winterschlaf im Königreich

Imker Alexander Kähm sieht genau nach, ob sich nicht Milben in die Bienenstöcke gesetzt haben.

LÜDENSCHEID ▪ Es ist bitterkalt, minus acht Grad zeigt das Thermometer an, gefühlt ist es doppelt so kalt auf der Tweer. Alexander Kähm sieht nach seinen Bienenvölkern. Einen Einblick in ihr verschlossenes Königreich gewähren sie nicht.

„Das geht jetzt nicht. Es ist einfach zu kalt“, sagt der 38-jährige Imker. Aber er weiß genau, wie es ihnen geht und zieht ein Holzbrett unter den dichten Styropor-Kästen hinweg. Darauf ist krümeliger Honig zu sehen. Genau inspiziert Alexander Kähm die feinen Spuren nach Schädlingen, und das sind vor allem die Varroa-Milben, die sich vom Blut der Bienen ernähren. Es sieht gut aus, die Milben haben nicht die Macht übernommen. Die Varroa-Milben sind inzwischen die ärgsten Feinde der Imker und ihrer Bienenvölker. Sie übertragen krank machende Viren und schwächen schon junge Bienen, die dann nur eine sehr kurze Lebensdauer haben. „Ein Verlust von fünf bis zehn Prozent ist möglich, aber wenn die Milben sich zu sehr vermehren, können es zwischen 30 und 50 Prozent sein und das ist dann ganz schlimm.“

Über 30 Völker mit jeweils bis zu 20 000 Bienen wacht Kähm. Er zieht ein Stethoskop aus der Tasche und hält es an einen der Kästen. Ein leichtes Brummen und Summen ist zu hören. Es ist Leben im Königreich. Einerseits garantiert das die richtige Dosierung des Winterfutters (eingelagerter Honig und eine Zuckerlösung), andererseits sind es die Flügelbewegungen der Bienen, denn Winterschlaf halten sie nicht. Das wäre ihr Untergang. Die Königin sitzt in der Mitte der Wintertraube und lässt sich von der Arbeitsbienen versorgen. Mit den ständigen Flügelbewegungen erzeugen sie in der Mitte ihrer Behausung bis zu zehn Grad Wärme.

„Vor zwei Wochen, als es mal richtig warm wurde, waren sie auch schon einmal draußen und haben die Gelegenheit genutzt, um ihre Kotblase zu entleeren“, sagt Alexander Kähm. Im Bienenstock ist das sogenannten „Abkoten“ aus Hygienegründen nicht möglich, da kommt ein „Reinigungsflug“ zwischendurch sehr gelegen.

Die Königinnen leben bis zu fünf Jahre, die Arbeitsbedienen dagegen nur 42 Tage, im Winter allerdings bis zu sieben Monate.

Noch läuft das Königreich auf Sparflamme, aber das ändert sich bald. Das Frühjahr naht und damit die Blütezeit. Alexander Kähm, gelernter Imker in dritter Generation, löst das Winterquartier auf, das Königreich entlässt seine Boten – endlich!

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