Kein Verkauf ohne Ausweis

Roland Rothmann, Anne vom Brocke und Oliver Schnürpel (v.l.) haben den Immobilienmarkt im Blick. Ihre Feststellung: Dass der Energieausweis nun Pflicht ist, ist bei vielen noch nicht angekommen.

Lüdenscheid - Beim Kühlschrankkauf sind sie längst Standard, jetzt sollen sie auch beim Hauskauf helfen: Energieeffizienzklassen von A+ bis H.

„B 155, FW, BJ 1969, E“ – wer sein Haus verkaufen oder vermieten möchte, der muss sich an neue Abkürzungen in Immobilienanzeigen gewöhnen. Und Käufer müssen das auch. Denn wer die Grundinformationen zur Energiebilanz lesen kann, weiß, ob’s Geld nach dem Hauskauf auch fürs Wohnen reicht.

„Es herrscht eine gewisse Desinformation auf dem Markt“, haben Immobilienexperten wie Makler Roland Rothmann, Oliver Schnürpel (Engel & Völkers) und Anne vom Brocke (Rothmann Immobilien) festgestellt. Viele hätten die Pflicht noch nicht verinnerlicht: Seit dem 1. Mai macht die neue Energieeinspar-Verordnung (EnEV) Energieausweise vor allem bei Verkauf und Vermietung zur Bedingung. Damit sei eine Übergangsfrist für Hauseigentümer abgelaufen; die hätten nun eine Bringschuld, erläutern die Fachleute, und müssten diese Daten auch in Immobilienanzeigen in Zeitungen oder im Internet mitteilen. Wer keinen Energieausweis vorlegen könne, dem drohe eine Abmahnung und ein Bußgeld von bis zu 15 000 Euro samt Ordnungswidrigkeitenanzeige.

Oliver Schnürpel sieht in der Pflicht durchaus Positives: „Wenn ich gedämmt und gute Fensterwerte habe, will ich das auch vermitteln.“

Der Gesetzgeber unterscheide zwischen dem Verbrauchsausweis und dem Bedarfsausweis. Beide gelten für zehn Jahre; erstellt werden sie von Fachleuten. Das könne der Schornsteinfeger sein, das könne ein zertifizierter Energieberater sein oder ein Handwerker mit Zusatzqualifikation, ein Architekt oder Immobilienfachmann. Je nach Immobilie gibt es Unterschiede. Ein Beispiel: Drei von vier Gebäuden mit bis zu vier Wohneinheiten, so rechnet die dena (Deutsche-Energie-Agentur) vor, wurden vor der Wärmeschutzverordnung von 1977 gebaut. Wurden sie noch nicht saniert, sei der teurere bedarfsorientierte Energieausweis Pflicht. Zugrunde liege der berechnete Energiebedarf. Nützlicher Nebeneffekt: Er beinhalte Vorschläge zur energetischen Sanierung. Für alle anderen Häuser reiche der preiswertere verbrauchsorientierte Ausweis, der sich an tatsächlichen Verbrauchsdaten der vergangenen drei Jahre orientiere. Hier findet sich etwa der jährliche Verbrauch in Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche.

Vor diesem Hintergrund schlüsseln sich die eingangs genannten Anzeigen-Infos wie folgt auf: „Bedarfsausweis: 155 kWh/(m²a), Fernwärme, Baujahr 1969, Energieeffizienzklasse E.“ - sum

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