Kein „Nachschlag“ für den Schläger

Lüdenscheid - Obwohl er sieben Jahre vor sich hat – es ist gut gelaufen für den vierfachen Familienvater. Denn der neuerliche Prozess endete nicht wie befürchtet mit einem empfindlichen „Nachschlag“.

Von Olaf Moos

Die Richter verurteilten den in der Russen-Szene gefürchteten Schläger und Erpresser zwar wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu jeweils einem Jahr. Doch selbst Staatsanwalt Axel Noelle hatte dafür plädiert, insgesamt bei den sieben Jahren aus der Verurteilung vom vergangenen Herbst zu bleiben. Das ist nicht nur ein juristischer Winkelzug, sondern „rechtlich zulässig“ und „vertretbar“, meint auch Strafverteidiger Andreas Trode.

Denn die Strafkammer hatte die Vielzahl der Verbrechen im Oktober jeweils durch Einzelstrafen geahndet und die sogenannte „höchste Einsatzstrafe“ – in diesem Fall fünfeinhalb Jahre – „angemessen“ auf sieben Jahre erhöht. Mit dem neuen Urteil lösten die Richter die sieben Monate alte Entscheidung wieder in Einzelstrafen auf, fügten die beiden neuen Strafen hinzu, erhöhten abermals „angemessen“ – und landeten wiederum bei sieben Jahren.

Für den Verurteilten ändert sich dadurch im Ergebnis nichts. Gut gelaufen ist es für ihn in anderer Hinsicht: Denn nach dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Bernd Roggenwallner aus Dortmund kommt der Häftling nun in den Genuss, einen großen Teil seiner Strafe nicht im Knast sondern in einer Entziehungsanstalt verbringen und eine stationäre Therapie absolvieren zu dürfen.

Damit sieht sich Rechtsanwalt Trode in seiner Strategie bestätigt, die Karten offen auf den Tisch zu legen und mit den Richtern und der Staatsanwaltschaft zu kooperieren. Die erste Verteidigerin des Lüdenscheiders, die Kölner Juristin Lena Retschkemann, hatte voll auf Konfliktverteidigung gesetzt. Trode: „Da sieht man, dass es Sinn hat, sich auf den Angeklagten mehr einzustellen als es meine Vorgängerin getan hat.“

Der Vorsitzende Richter Till Deipenwisch lässt trotz der Pluspunkte für den Angeklagten keinen Zweifel daran, dass der 29-Jährige ein brutaler Verbrecher ist, der zu Recht hinter Gittern sitzt. „Er hat in verstärkter Form auf den Geschädigten eingeschlagen und -getreten.“

Der durchtrainierte Mann mit der harten Vergangenheit macht inzwischen einen angegriffenen Eindruck. Er versucht, sein Bedauern auszudrücken und Reue zu zeigen. Doch statt starker Worte fließen nur noch Tränen.

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