Musik-Veranstalter klagen: Die Gagen sind explodiert

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Achim Petry singt die Hits seines Vaters Wolfgang.

Lüdenscheid - „Die Gagen der Schlager-Künstler und die, die im Rock-Bereich gezahlt werden, stehen einfach in keinem Verhältnis mehr.“ Jürgen Wigginghaus, Lüdenscheider Veranstalter unter anderem auch des MK-Total-Wochenendes im März, hat einen Schlussstrich gezogen. Seit fünf Jahren läuft die samstägliche Schlagerparty nach dem gleichen Konzept ab – in diesem, sechsten Jahr wird es anders werden.

Von Jutta Rudewig

Die selbsternannten Könige von Mallorca kommen, singen und sind wieder weg. Mal mehr, mal weniger bekannte Größen aus der „Ballermann-Szene“ werden lange vorher verpflichtet, und oftmals ist ein Abend wie die Schlagernacht zu MK Total ein Zwischenstopp auf dem Weg zur nächsten Veranstaltung. Eines allerdings eint die Könige: Die verlangten Gagen sind in den letzten Jahren explodiert.

„Über die Höhe darf ich nichts sagen. Das ist vertraglich so festgelegt. Aber ein Krause oder ein Drews, da wird das schon mal fünfstellig. Mickie Krause ist ein Zugpferd, und Drews ist so teuer, weil der eigentlich gar nicht mehr so viel auftreten möchte“, erklärt Wigginghaus, warum am 14. März aus der Schlagerparty in der Schützenhalle am Loh eine Radio-MK-Ü-30-Party wird. Große Veranstaltungen wie beispielsweise „Dortmund Olé“ im Westfalenpark refinanzieren die hohen Gagen durch Sponsorengelder und durch die Masse der Fans. Massen, die die Schützenhalle am Loh nicht fasst.

Vivien bringt ihre „Helene-Fischer-Show“ mit.

Wigginghaus: „Da ist die Kalkulation eine ganz andere. Zwischen 35.000 und 40.000 Euro hat die letzte Schlagernacht gekostet. Das muss bezahlt werden durch den Kartenverkauf, die Getränke und ein paar Sponsoren. Das sind ja nicht nur die Künstler. Das sind die Hallenmiete, die Security, die Gema, die Künstlersozialkasse, die Personalkosten und vor allem die Werbung. Wenn die Rocknacht am Abend vorher nicht so gut laufen würde, gingen wir mit einem satten Minus nach Hause. Ich glaube aber auch, dass die Ballermann-Musik nicht mehr so zieht. Bei vielen Veranstaltungen im Umland mischt sich immer mehr Musik für die breite Masse unter das Ballermann-Programm.“ Aber die aufgerufenen Gagen seien für Veranstaltungsorte in der Größe der Schützenhalle nicht angemessen.

Der Teufelskreis bewegt sich zwischen den hohen Gagen, weniger Publikum, dem Umlegen der Kosten auf den Eintrittspreis und damit möglicherweise noch weniger Publikum. Und nur noch die „zweite Garnitur“ der Stars zu verpflichten, füllt die Halle am Loh noch weniger. Also rüttelt Wigginghaus in diesem Jahr an den Grundfesten. Schon seit längerem liebäugelt der Lüdenscheider Veranstalter mit dem heimischen Radiosender Radio MK, der vor allem im Nordkreis schon so manche erfolgreiche Party inszenierte. Die Radioband Deluxe, die viel für die privaten Radiosender in Nordrhein-Westfalen macht, sei eine sehr professionelle Band mit einem breiten Repertoire an allem, was zur Partymusik gehört. Aber nur eine Band war für die Schlagernacht zu wenig, also verpflichtete Wigginghaus als Live-Acts mit Achim Petry und der Sängerin Vivien zwei Künstler, die ebenso auf Stimmungsmusik aus sind. Das Team komplettiert der Party-DJ Oliver Macha.

„Und dann müssen wir halt sehen, wie’s läuft. Ich erwarte an Gästen so viele wie bei der letzten Schlagernacht. Dann muss man gut zuhören, was die Gäste nach dem Abend sagen und gegebenenfalls das Programm im nächsten Jahr anpassen.“

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