Prozess gegen "Vassili": „Er ist kein guter Umgang“

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Strafverteidiger Andreas Trode mit seinem Mandanten

Lüdenscheid - Verhandlungstag Nummer sechs im Prozess gegen "Vassili", einen 29-jährigen Lüdenscheider: Er muss sich wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen vor dem Landgericht verantworten - und die Zeugen belasten „Vassili“ weiter.

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess wird am 16. Dezember um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Im Prozess macht der Angeklagte einen angeschlagenen Eindruck. Harte Gesichtszüge, fahle Haut und dunkle Schatten um die Augen zeugen von Stress – in Erwartung einer Freiheitsstrafe, die fünf Jahre bei weitem übersteigen dürfte. Vor zwei Jahren, davon ist Staatsanwältin Beatriz Föhring überzeugt, hat er seine Mitmenschen geradezu terrorisiert – laut, aggressiv, rücksichtslos. Dabei ist ihm nicht nur die Hauptbelastungszeugin, die angeblich sein Kokain ins Klo geschüttet hat, zum Opfer gefallen.

Der 33-jährige Lüdenscheider, der im November ‘13 als „Vassilis“ Komplize zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, rückt abermals ins Blickfeld der Prozessbeteiligten. Seine Schwester, eine 35-jährige Montiererin, die ihren Bruder bis zum Haftantritt beherbergt hat, berichtet über ihre Erfahrungen mit „Vassili“. „Ich habe meinen Bruder vor ihm gewarnt. Er ist kein guter Umgang.“ In der griechischen Szene Lüdenscheids habe man sich erzählt, er sei an einem Bankraub beteiligt gewesen. „Aber mein Bruder sagte nur: ‘Der tut mir nix’.“

Als sich die Schlinge der Ermittler langsam zuzog und „Vassili“ sich nach Thessaloniki absetzte, richtete sich sein Zorn auch gegen die Schwester seines Kumpels. Sie hatte mehrfach bei der Polizei ausgesagt. Die Zeugin erzählt: „Ich habe Anrufe bekommen, auch nachts. Er hat mich bedroht und Schlampe und Hure genannt.“ Er habe geschrien: „Ich schicke dir Leute vorbei, die dir was antun.“ Mit ihrem Bruder, der ins Visier der Fahnder geraten war, habe sie kaum über den Bekannten gesprochen. „Er hat nur zu mir gesagt: ‘Ich habe nichts gemacht’.“

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Dass der 33-Jährige nicht eingegriffen und „Vassilis“ Verbrechen nicht verhindert hat, war für die 6. große Strafkammer Grund genug, ihn zu verurteilen. Die Schwester des Häftlings hadert mit der Entscheidung. „Man hilft und wird bestraft. Man hilft nicht und wird auch bestraft. Dreieinhalb Jahre – für was, Frau Richterin?“

Um den Nachweis des erpresserischen Menschenraubs gegen „Vassili“ zweifelsfrei erbringen zu können, ruft Richterin Heike Hartmann-Garschagen auch Amtsrichter Thomas Kabus in den Zeugenstand. Der hatte die junge Pharmazeutisch-Technische Assistentin vernommen und erinnert sich daran, dass sie „aufgelöst“ war. Und dass er sich gefragt habe, ob sie eine gute Schauspielerin ist oder wirklich über Erlebtes berichtet. - von Olaf Moos

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