Kein Geld: Stadt gibt Kampf gegen Kaugummi auf

Die Stadt hat kein Geld mehr für die Reinigung des Rathausplatzes von klebrigen Kaugummiresten.

LÜDENSCHEID ▪ Städten im Nothaushalt wie Lüdenscheid klebt die Armut buchstäblich an den Hacken: Bis zu 15 Cent kostet die Entfernung eines einzigen Kaugummiflecks, und daher kapitulierte die Nachbarstadt Hagen jetzt ganz offiziell vor dieser Verschandelung ihrer City. Das Wegmachen sei schlicht zu teuer. Auch in Lüdenscheid sind Sonderreinigungsaktionen längst passé.

„Man kann tatsächlich fast von Aufgabe sprechen“, sagt Heino Lange, stellvertretender Leiter des Stadtreinigungs-, Transport und Baubetriebs (STL). Noch vor Jahren wollte der Betrieb dem hartnäckigsten Straßenschmutz von allen den Kampf ansagen: „Damals reinigten wir auf Wunsch vieler Bürger für 25 000 Euro die Wilhelmstraße vom Sternplatz bis hinauf zur Hochstraße“, erinnert sich Heino Lange.

Das sei so teuer gewesen, weil jeder einzelne plattgetretene Flatschen punktgenau mit Zitronensäure gelöst, mühselig abgekratzt und aufgenommen werden musste. Daneben wurde eine Vereisungsmethode angewandt, nach der jeder Kaugummi bretthart wird und damit leicht wegzufegen ist – übrigens ein altes Hausfrauenrezept gegen Kaugummi im Teppichboden.

Doch kaum waren die STL-Arbeiter oben an der Hochstraße angekommen, hatten unten auf dem Sternplatz spuckende Passanten schon wieder Gummi gegeben. Außerdem blieben bei jeder Reinigungsmethode helle Flecken im Belag zurück, und die sahen genau so hässlich aus wie die durchgekauten Gummis selbst.

Das zeigte sich auch auf dem China-Granit, kaum dass Stern- und Rathausplatz damit belegt waren. Hier blieb eine Sonderaktion ebenso erfolglos wie an stark besuchten Bushaltestellen am Sauerfeld oder an der Christuskirche. „Ein rundherum ärgerliches Thema“ nennt Lange denn auch die klebrige Ferkelei. „Sie wäre vermeidbar, wenn alle die Masse nach dem Kauen einfach ins Papier wickeln würden.“ So aber sorgt sie für hässliche Anblicke, die auch dann bleiben, wenn das Kaugummi aufwändig entfernt wird.

Zwar wehre sich der STL mitunter noch, gerade auch an den Haltestellen, betont Lange. Doch nach dem Erfolg der Maßnahmen gefragt, sagt er klipp und klar: „Bescheiden ist noch gestrunzt.“ Und Sonderaktionen wie zu besseren Zeiten seien im Nothaushalt längst undenkbar.

In Bocholt wird unterdessen noch gegen die Gummipest angekämpft, mit Sprühstößen und Handlanzen. Die einfachste Lösung fand dagegen die Regierung von Singapur: Dort ist Kaugummi seit 20 Jahren schlicht verboten.

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