Mangelnde Einsicht beklagt

Trotz Leinenpflicht: Wildernder Hund fällt Reh an - Probleme mit Hundehaltern

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Der junge Rehbock fiel vermutlich einem wildernden Hund zum Opfer.

Lüdenscheid – Vermutlich ein wildernder Hund hat im Mintenbecker Tal ein Reh gerissen. Das von Bissspuren gezeichnete Tier starb. Es ist nicht der erste Fall dieser Art in dem rund 1 300 Hektar großen Gebiet, das von Schloss Neuenhof aus verwaltet wird.

Da die Probleme mit freilaufenden Hunden und ihren Haltern zunehmen, hat die Gutsverwaltung Schloss Neuenhof diesmal Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Der Vorwurf: Wilderei. Polizei und die Gräfliche Forstverwaltung hoffen auf Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben. 

Wie die Gutsverwaltung mitteilte, ereignete sich der Hunde-Angriff am Mittwoch, 17. April, in der Zeit zwischen 9.30 und 11 Uhr im Mintenbecker Tal (in Richtung Hof Woeste). Gegen 11.45 Uhr fand Forstassessor Jan-Hinrich Brötje von der Gutsverwaltung Schloss Neuenhof den jungen schwerstverletzten Rehbock auf der Wiese. Das Tier wurde daraufhin fachgerecht von seinen Leiden befreit.

Der zweite Rehriss in diesem Jahr

Es war laut Mitteilung der zweite Rehriss in diesem Jahr. Der erste Fall ereignete sich im Februar. Damals war ein Reh durch einen Hund an der Keule gepackt wurde. „Es hat anders als im aktuellen Fall überlebt“, sagt Jan-Hinrich Brötje. 

Für den Forstassessor ist klar, dass nur ein Hund für die tödlichen Verletzungen verantwortlich sein kann. „Darauf deuten die Bissspuren im Halsbereich des Rehs hin. Ein Wolf als Verursacher ist unwahrscheinlich. Er hätte das Reh nicht liegen gelassen, sondern an einen ruhigen Ort geschleppt. Die Auffindesituation spricht dafür, dass der Halter den Hund von dem Reh weggeholt hat. Denn auch ein Hund, der Beute macht, beginnt normalerweise zu fressen.“ 

Oder war es "Bash"?

Unklar ist, wem der Hund gehört und warum der Hundehalter diesen Vorfall nicht gemeldet hat. Ob dieser Riss womöglich im Zusammenhang mit dem vermissten Hund „Bash“ steht, sei ebenso unklar, schreibt die Gutsverwaltung. „Bash ist in unseren Wäldern bislang nicht gesehen worden. Gleichwohl soll er sich auch auf Lüdenscheider Gebiet aufhalten“, will Brötje diese Möglichkeit nicht ausschließen. 

Immer wieder Probleme mit nicht angeleinten Hunden

Deutlich wahrscheinlicher ist, dass Hund und Halter gemeinsam unterwegs waren – und das Tier nicht angeleint war. Es wäre nicht der erste Rehbiss, der sich durch fehlende Rücksichtnahme von Hundehaltern ereignet. „Ich bin seit elf Jahren hier tätig. Es ist in den letzten Jahren mehr geworden. In den letzten drei, vier Jahren haben wir jedes Jahr zwei bis drei Fälle. Und das sind nur die, die wir bemerken“, erklärt Forstassessor Brötje. 

Leinenpflicht besteht auch in der freien Landschaft

Hunde seien in der Brut- und Setzzeit, die noch bis Ende Juni andauert, in der freien Landschaft immer an der Leine zu führen. Bei Verstößen wird die Gutsverwaltung aktiv. „Wir sprechen die Leute, die ihre Hunde nicht an der Leine führen, regelmäßig an. Viele haben Verständnis. Es gibt aber auch Hundehalter, die mir mit dem Spazierstock Schläge androhen“, berichtet Brötje. Gespräche mit anderen Revierinhabern aus dem Märkischen Kreis hätten ergeben, dass es dort dieselbe Problematik gebe. 

Ein weiteres Problem ist, dass Hundehalter vielfach nicht wissen, was sie dürfen und was nicht. Zwar gelte das Betretungsrecht der freien Landschaft, sagt der Forstassessor, doch „davon ausgenommen sind unter anderem landwirtschaftliche Kulturflächen, also auch Mähwiesen. Immer wieder laufen Hundehalter mit ihren Tieren durch die Wiesen und lassen den Kot liegen. Das ist gesundheitsschädlich, da das Heu als Futter zum Beispiel für Kühe verwendet wird.“ 

Fehlendes Bewusstsein bei Hundehaltern beklagt

Es fehle das Bewusstsein bei einigen Hundehaltern, dass sie durch ihr Verhalten andere schädigen. Von der Stadt Lüdenscheid würde man sich wünschen, dass das Ordnungsamt hier häufiger Streife fährt. Die gräfliche Forstverwaltung und die Polizei hoffen nun auf Zeugen, die den Vorfall vom Mittwoch beobachtet haben. Hinweise werden vom Schloss Neuenhof (Tel. 41094) oder der Polizei in Lüdenscheid (Tel. 90990) entgegengenommen.

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