Keileierei in Kneipe noch nicht aufgeklärt

LÜDENSCHEID ▪ Der 46 Jahre junge Rentner schlägt offenbar eine „flotte Kelle“ – vor allem, wenn er sich nachts gegen 2.50 Uhr gegen einen Schläger zur Wehr setzen muss. Der sitzt jetzt auf der Anklagebank und muss sich wegen Körperverletzung verantworten. Dazu trägt er kürzestes Haar und ein T-Shirt mit einem Totenkopf und dem Wort „Freiwild“ auf der Brust. Und sagt: „Ich habe ihn gar nicht berührt.“ Aussage steht gegen Aussage.

Wichtigster Zeuge der Anklage ist der schlagkräftige Rentner. Mehr als zwei Promille hat er schon getankt, als der 28-Jährige – siebenfach vorbestraft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen – in einer Spelunke in der Altstadt von der Toilette zurückkehrt. „Der hat mir den Stuhl volle Granate unterm Hintern weggetreten“, sagt der Zeuge. Und: Er habe sich wehren müssen und einen einzigen Schlag abgefeuert. Deshalb auch hat der Angeklagte vor Gericht einen Briefumschlag mit einem Attest dabei. „Ich hatte direkt einen Kieferbruch.“

Ein Kraftfahrer (51), Freund des Rentners, sagt aus und belastet den arbeitslosen Werkzeugmechaniker. „Er hat auf ihn eingeschlagen.“ Der tätowierte Cousin des Vorbestraften, von Beruf Arbeiter, sagt: „Viel weiß ich eh nicht mehr.“ Und die Kellnerin hat „gar nichts mitgekriegt“, wie sie beteuert.

Der Angeklagte hat zwei Zeugen zur Entlastung benannt. Aber die sind zum Prozess nicht erschienen – ein „Schuss in den Ofen“, so Richter Thomas Kabus. „Die bisherigen Zeugen sagen, Sie haben angefangen. Es sieht nicht gut aus für Sie.“ Aber wenn er darauf bestehe, könne es einen weiteren Termin mit seinen Zeugen geben. Der Angeklagte besteht darauf. Fortsetzung am nächsten Donnerstag.

Olaf Moos

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