Impfzentrum, Situation in Kliniken, Zukunft

Corona-Chefbekämpfer Volker Schmidt im Interview: Der Lockdown wird greifen

Volker Schmidt Corona Märkischer Kreis
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Volker Schmidt ist oberster Corona-Bekämpfer des Märkischen Kreises.

Volker Schmidt, für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz zuständiger Fachbereichsleiter des Märkischen Kreises, ist zuversichtlich. Er meint: Der Lockdown wird greifen! Das sagt er im Gespräch mit Willy Finke.

Lüdenscheid - Herr Schmidt, in der Lüdenscheider Schützenhalle entsteht ein Corona-Impfzentrum. Wie ist der gegenwärtige Stand?

Das Impfzentrum ist eingerichtet. Das war, so kann man wohl sagen, eine tolle Leistung. Eine Arbeitsgruppe des Krisenstabs hatte sich damit sehr intensiv beschäftigt.

Wer hat die Arbeit vor Ort geleistet?

Wir haben mit einem professionellen Messebauer zusammengearbeitet. Das hat wirklich sehr gut funktioniert.

Wie geht es jetzt weiter?

Wenn der Impfstoff da ist, werden wir das Impfzentrum mit Leben füllen. Allerdings ist der Ansatz so, dass zunächst die mobilen Impfteams an den Start gehen und beispielsweise in den stationären Pflegeeinrichtungen tätig werden.

Wann wird der Impfstoff in Lüdenscheid vorliegen?

Es ist nach wie vor der 29. Dezember im Gespräch, eventuell auch etwas früher. Aber das werden wir dann ja sehen.

„Wir sind gerüstet und gut aufgestellt“

Ihre Vorbereitungen sind also abgeschlossen?

Ja. Wir sind gerüstet und wir sind gut aufgestellt. Das Impfpersonal werden wir von der Kassenärztlichen Vereinigung zugeteilt bekommen. Ich bin optimistisch, dass wir das auch gut hinbekommen werden.

Stichwort Corona-Schutzimpfung: Im Impfzentrum in der Lüdenscheider Schützenhalle und bei den mobilen Teams werden Ärzte 150 Euro pro Tag, Pflegekräfte aber nur 30 Euro bekommen. Laut Robert-Koch-Institut dürfen aber nicht nur Ärzte, sondern eben auch geschultes Pflegepersonal impfen. Wie ist diese Differenz in der Bezahlung zu erklären?

Ärzte und medizinische Assistenzkräfte arbeiten in einem Impfzentrum als Team. Selbst wenn die Assistenzkraft ebenfalls impft, so bleibt die Pflicht zur Aufklärung und Beratung des Patienten ebenso beim Arzt wie die Verantwortung für den gesamten Impf-Vorgang und dessen Überwachung. Das sind durchaus unterschiedliche Aufgaben und unterschiedliche Verantwortungsbereiche, die sich letzten Endes auch in der Vergütung niederschlagen.

„Krankenhäuser im Märkischen kreis sind ausgelastet“

Wie steht es zurzeit um die Auslastung der Kliniken im Märkischen Kreis?

Die Krankenhäuser sind ausgelastet – insbesondere die Intensivbetten. Es wird mittlerweile schon etwas eng, bisher haben wir aber insgesamt noch keine Überlastung.

Befürchten Sie, dass diese Überlastung noch eintreten wird?

Ich hoffe, dass diese Situation nicht eintritt. Das würde für uns bedeuten, dass wir versuchen müssten, Patienten über die Kreisgrenzen in andere Krankenhäuser zu verlegen, in denen die Situation dann vielleicht noch etwas entspannter wäre.

Wären Notkrankenhäuser eine Alternative?

Nein. Die begrenzten Kapazitäten in den Krankenhäusern rühren ja vor allem daher, dass das Personal so stark belastet ist und auch fehlt. Corona bedeutet, dass man in der Regel den doppelten Personaleinsatz in der Pflege hat. Das ist der limitierende Faktor.

Heißt das, dass in den hiesigen Krankenhäusern noch mehr Patienten in Intensivbetten behandelt werden könnten, wenn es mehr Personal gäbe?

Ja, es könnte das eine oder andere Bett mehr in Betrieb genommen werden. Dazu benötigt man aber insbesondere entsprechend viele Intensivpflegerinnen und -pfleger. Das sind hochqualifizierte Fachkräfte und ihre Zahl ist sehr knapp bemessen.

Ab Mittwoch gilt der „harte“ Lockdown. Wird er greifen?

Davon gehen wir sehr stark aus. Im Frühjahr haben die erheblichen Kontaktbeschränkungen ja auch gegriffen, deshalb bin ich auch jetzt sehr zuversichtlich. Die Folgen – zurückgehende Fallzahlen – werden wir aber erst in einigen Wochen merken. Unsere Hoffnung ist, dass dann auch die Auslastung der Krankenhäuser zurückgeht und dass parallel mit der Bereitstellung des Impfstoffs die Pflegeheime aufgesucht werden können.

Jetzt hängt alles von der Vernunft der Menschen ab

Glauben Sie, dass der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird?

Das zu sagen wäre wirklich Kaffeesatzleserei. Ein Ende des Lockdowns muss übrigens nicht heißen, dass danach sofort wieder alles möglich ist – Veranstaltungen, Kinobesuche, Fitnessstudio-Besuche und so weiter. Das wird jetzt alles davon abhängen, wie sich die Menschen an die beschlossenen Maßnahmen und an die darüber hinaus gehenden Empfehlungen für den privaten Bereich halten.

Wie schätzen Sie vor diesem Hintergrund die Tatsache ein, dass am Dienstag das Lüdenscheider Stern-Center und andere Händler ihre Öffnungszeiten bis in den späten Abend ausdehnten? War das eher eine Entzerrung oder doch der Versuch der Händler, noch den letzten Euro vor der Schließung herauszuquetschen?

Es war ja – nach dem, was ich gehört habe – nicht so, dass tatsächlich extrem viele Leute in die Innenstädte geströmt sind. Wenn diese längeren Öffnungszeiten also der Entzerrung gedient haben, dann waren sie in Ordnung. Auf die zwei Stunden wird’s letzten Endes auch nicht mehr angekommen sein.

Herr Schmidt, wie viele Wochen Urlaub haben Sie in diesem Jahr eigentlich gehabt?

Anderthalb Wochen oder so. (lacht)

Und wie werden Sie Weihnachten und Silvester verbringen?

Weihnachten werden wir zu dritt sein. Silvester werden meine Frau und ich alleine miteinander feiern.

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