Kaum zu kriegen und sehr teuer: Trotzdem Pflicht

LÜDENSCHEID ▪ Seit dem Wochenende hat der Winter die Kreisstadt im Griff, und seit gestern gilt offiziell die Winterreifen-Pflicht. Doch bevor die Änderung der Straßenverkehrsordnung nicht im Bundesgesetzblatt veröffentlicht ist, wird die Polizei nach Auskunft von Pressesprecher Dietmar Boronowski noch die alte Regel anwenden.

Wer im Schnee mit Sommerreifen erwischt wird, zahlt ein Bußgeld von 20 Euro, wer deshalb andere Verkehrsteilnehmer behindert, zahlt 40 Euro. Künftig verdoppeln sich die Strafen.

Bei den Reifenhändlern hat sich angesichts der nahenden Pflicht zu Winterreifen die Nachfrage offenbar nicht spürbar erhöht. Wie Volker Altmann, Geschäftsführer bei Reifen Vergölst, im LN-Gespräch sagte, sind nach seiner Beobachtung „noch viel zu viele“ Autofahrer mit Sommerreifen unterwegs. „Ich glaube, ein Großteil hat die Gesetzesänderung noch gar nicht richtig registriert.“ Sollte die Polizei ihre Kontrollen nach der neuen Gesetzeslage verschärfen, rechnet Altmann mit einem Anstieg der Nachfrage.

Auch Marko Herklotz, Filialleiter bei Pitstop an der Altenaer Straße, sieht Probleme auf Winterreifen-Muffel zukommen. „Diejenigen, die jetzt noch nicht ausgerüstet sind, werden doppelt be-straft.“ Denn sie zahlten bald Bußgelder in doppelter Höhe und würden gezwungen, innerhalb von 48 Stunden die vorgeschrieben Reifen aufzuziehen – wenn sie nicht wollen, dass die Polizei ihren Wagen aus dem Verkehr zieht.

Der Haken dabei: Laut Herklotz sind inzwischen zehn Größen derzeit nicht lieferbar. Und die Reifen, die noch vorrätig sind, würden unverhältnismäßig teuer. „Für einen Golf 4 kostet ein Reifen normalerweise zwischen 50 und 70 Euro. Im Internet werden schon bis zu 150 Euro pro Reifen verlangt.“

Bis zur Verkündung der Winterreifen-Pflicht im Bundesgesetzblatt in wenigen Tagen setzt die Polizei auf Ermahnungen und Appelle. Sollte ein Autofahrer mit Sommerreifen einen Unfall verursachen, hat das momentan vorwiegend haftungsrechtliche Konsequenzen, so Dietmar Boronowski. „Aber wenn das Gesetz öffentlich verkündet wird, sind wir auf jeden Fall am Ball.“

Auch für Schwerpunktkontrollen auf Lüdenscheider Straßen sei der Verkehrsdienst der Polizei „hinreichend gut aufgestellt“.

- Olaf Moos

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