Ein kaum zu bewältigender Spagat

LÜDENSCHEID ▪ Der Jugendhilfeausschuss (JHA) hat am Montagabend die Planungen für den Ausbau der U 3-Plätze in den 40 Kindertagesstätten auf den Weg gebracht.

Nach den Berechnungen des Jugendamtes müssen zum Kindergartenjahr 2013/2014 insgesamt 150 neue U3-Plätze geschaffen werden, um eine errechnete Bedarfsquote von 38,7 Prozent zu erreichen und den gesetzlich geforderten Rechtsanspruch zu erfüllen.

Dies wurde einstimmig beschlossen. Einstimmig wurden aber auch die Bedenken mit ins Protokoll aufgenommen, dass mit dem Blick auf die Quote die Qualität der Betreuung leiden könnte und auch die Finanzierung auf wackeligen Beinen steht.

Daher verbanden sowohl Verena Kasperek (SPD) als auch Ursula Meyer (CDU) ihr Votum mit einem Appell an das Land, mehr Geld für den Ausbau zur Verfügung zu stellen. Das ist auch dringend geboten, wie eine Auflistung der Kosten unterstrich, die Fachdienstleiter Andreas Hein vorlegte. Danach sieht das Belastungsausgleichsgesetz, das bisher nur als Entwurf vorliegt und noch nicht in Kraft ist, zwar Erstattungen für den Ausbau vor, dennoch bleiben nach den bisherigen Berechnungen der Stadt aufgrund der zusätzlichen U 3-Plätze 280 000 Euro an der Stadt Lüdenscheid hängen. Sie kommen zu den laufenden finanziellen Ausgaben von rund 7,2 Millionen Euro hinzu, die die Stadt für den Betrieb der Kitas ausgibt. Investitionskosten, die für unter Umständen notwendige Neubauten erforderlich sind, sind in diesen Berechnungen noch gar nicht drin.

Ursula Meyer sprach von einem gewaltigen Spagat, der bewältigt werden müsse, um einerseits den Rechtsanspruch der Eltern zu erfüllen, zugleich die Qualität der Betreuung in den Kindertagesstätten zu gewährleisten und auch noch die Finanzierung zu stemmen.

Fachbereichsleiter Hermann Scharwächter erklärte, es müssten sicherlich mit der Umstrukturierung von Gruppen Übergangslösungen geschaffen werden, die „pädagogisch nicht so sind, wie wir uns das wünschen“. Das müsse daher auch in zwei bis drei Jahren vorbei sein.

JHA-Vorsitzender Hermann Morisse drängte darauf, Gruppenstrukturen nicht zum Schaden der Kinder zu verändern und die Lüdenscheider Standards der Betreuung zu erhalten.

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