Plädoyers im Brandstifter-Verfahren

„Kaum Alternative zur Unterbringung“

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Lüdenscheid/Hagen - Es wird wohl kaum eine Alternative zur Unterbringung des zweifachen Brandstifters in einer geschlossenen Einrichtung geben. So lautete der Tenor des gestrigen Plädoyers von Rechtsanwalt Frank Peter Rüggeberg.

Der 41-jährige Beschuldigte muss sich vor der 4. großen Strafkammer des Landgerichts wegen Brandstiftungen in einem Lüdenscheider Mehrfamilienhaus am 23. Januar und in einer Wohnung in Hagen am 1. Juni verantworten.

Auch Staatsanwältin Beatriz Föhring beantragte die Unterbringung des 41-Jährigen in einer Maßregelanstalt. Sie erinnerte an die verhängnisvolle Rolle, die der Vater des Beschuldigten bei der Entstehung von dessen Wahn gespielt hatte, schwierigen Situationen durch eine Brandlegung zu entkommen.

„Der Vater war das große Vorbild“, stellte auch der Verteidiger kritisch fest. „Das Feuer war für meinen Mandanten immer eine Möglichkeit, aus einer bestimmten Situation herauszukommen.“ Problematisch an der Unterbringung sei der Umstand, dass sein Mandant dort kaum erfolgversprechend behandelt werden könne. Möglicherweise könne eine Einrichtung in der Nähe von Münster, die sich speziell an minderbegabte Menschen wende, hilfreich sein. Der 41-Jährige möchte derzeit zurück nach Marsberg: „Mein Mandant wünscht die Unterbringung.“

Vor den Plädoyers hatten zwei psychiatrische Gutachter zu der Frage Stellung genommen, ob der Beschuldigte wusste, was er tat, als er die beiden Brände legte und ob er in jenen Situationen auch anders hätte handeln können: Der Nervenarzt und Psychologe Bernhard Bätz sah eine „in erheblichem Maße eingeschränkte, aber nicht ganz aufgehobene Einsichts- und Steuerungsfähigkeit“. Der 41-Jährige sei zwar „kein notorischer Brandstifter“, aber vor allem in belastenden oder unübersichtlichen Situationen neige er zu problematischen Handlungen. Dabei fehle es ihm an der Fähigkeit, die Folgen für Andere abzuschätzen und bei Schwierigkeiten aus einer Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten zu wählen. „Zum Brandlegen sah er keine Alternative.“ Aus diesem Grund sei die Wiederholungsgefahr solcher Straftaten recht hoch. Für die Unterbringung spreche auch die Tatsache, dass der 41-Jährige sein Leben nicht selbständig organisieren könne. Im Grunde genommen sei er ein Fall für eine lebenslange Rundumbetreuung.

Wilfried Prüser, zweiter Gutachter, der zum Thema „Intelligenzminderung“ Stellung nehmen sollte, sah wenig Chancen für den 41-Jährigen, flexibel auf Anforderungen des Alltags zu reagieren: „Er ist nicht in der Lage, ihm begegnende Probleme zu lösen.“ Für den 41-Jährigen sei die Situation vor den Brandstiftungen „nicht lösbar“ gewesen. „Er hat auf die von ihm als lebensbedrohlich empfundene Situation mit tiefer Verzweiflung reagiert. Ich denke, in jener Situation war das Denken ausgesetzt.“ Beide Gutachter bestätigten, dass der Beschuldigte kaum in der Lage sei, die Folgen seiner Handlungen für andere abzuschätzen.

Das Urteil will die 4. große Strafkammer am Donnerstag ab 9.30 Uhr verkünden.

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