Telefonbetrüger aktiv

Kauf aus „Zwangsversteigerung“: Paar aus MK verliert viel Geld

Der neue Corona-Bonus soll Beamte und Soldaten finanziell unterstützen.
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Die Bundesregierung hat einen neuen Corona-Bonus beschlossen. (Symbolfoto)

Seit einigen Tagen sind laut Mitteilung der Polizei wieder verstärkt Telefonbetrüger am Werk. Besonders in Kierspe oder Altena riefen die Täter bei ahnungslosen Opfern an. In Lüdenscheid waren die Unbekannten am Montag mit einer abgewandelten Enkel-Masche überaus erfolgreich – und brachten ein betagtes Ehepaar um sein Erspartes.

Lüdenscheid - Eine Anruferin überzeugte die Senioren laut Polizeibericht davon, dass sie ihre Nichte sei. Die Betrügerin lieferte die Lügengeschichte in diesem Fall in der Variante „günstige Gelegenheit“: Sie habe eine Eigentumswohnung ersteigert und solle nun sofort den Kaufpreis auf den Tisch legen.

Die hilfsbereiten Opfer taten ihr Möglichstes. Sie teilten der Anruferin mit, sie hätten zwar nicht die geforderte Summe, würden aber ihr Konto leeren. Perfiderweise bekam der alte Herr die telefonische Anweisung, niemandem von dem Anruf der Nichte zu erzählen.

Stattdessen log er am Geldschalter seiner Bank, er wolle zu einer Versteigerung fahren. Die Bankmitarbeiter glaubten ihrem Kunden und zahlten das geforderte Geld aus.

Geldübergabe auf der Gustavstraße in Lüdenscheid

Denn die falsche Nichte musste angeblich schnell zu ihrer Bank, um das Geld per „Blitzüberweisung“ ans Amtsgericht zu überweisen. Am Montag gegen 16.30 Uhr stand der Geldbote – angeblich ein Mitarbeiter einer Anwalts-Kanzlei – auf der Gustavstraße und ließ sich von dem Senior den Briefumschlag mit der hohen Geldsumme aushändigen.

„Rat mal, wer hier ist?“ So oder ähnlich beginnen die Anrufe bei älteren Mitbürgern laut Polizei „immer und immer wieder“ – in mancher Woche dutzendfach. In der Regel gehe es um fünfstellige Summen. „Ein Treffer unter 40 oder 50 Telefonaten, und der Aufwand lohnt sich für die Täter.“ Viele Täter erfinden Notlagen wie Verkehrsunfälle oder Corona-Erkrankungen. Immer „drängt die Zeit“, und die Opfer sollen ohne zu überlegen zahlen.

Wie so oft, wechselten auch im aktuellen Fall die Gesprächspartner. Im Polizeibericht heißt es dazu: „Die Betrüger spinnen teilweise komplexe Lügengeschichten, um ihre Story zu untermauern und sprechen fast immer akzentfrei Deutsch. Tatsächlich sitzen wahrscheinlich alle Täter nebeneinander in einem ausländischen Call-Center und verbinden sich abwechselnd mit dem Opfer.“

Einer, so die Erfahrung der Ermittler, spielt den Enkel, der nächste einen Anwalt, der übernächste mimt einen Polizeibeamten. Die Anrufer verdonnern ihre Opfer zum Stillschweigen. Das Ganze nehme oft konspirative Züge an, Senioren würden mit psychologischen Tricks verwirrt, bedroht oder umgarnt.

Natürlich komme nie der Anrufer selbst zum Geldabholen. Die Polizei: „Es gibt immer Ausreden. Mal sitzt die Enkelin angeblich bei der Polizei, mal liegt sie fast im Sterben auf der Corona-Krankenstation.“

Wer sich auf solche Gespräche einlässt, werde die Täter nicht mehr los. Über Stunden und Tage werden die Opfer verwirrt und unter Druck gesetzt. Deshalb rät die Polizei, sich nicht auf das Fragespiel einzulassen.

„Wer etwas will, soll sich mit seinem Namen melden. Rufen Sie die angeblichen Enkel unter der ihnen bereits bekannten Rufnummer zurück! Holen Sie sich Rat bei Freunden oder der Polizei! Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen!“

Betrüger suchen in Telefonverzeichnissen nach älter klingenden Vornamen. Wer aber seinen Vornamen im Telefonbuch abkürzt und seine Adresse einfach weglässt, verringert die Gefahr, so die Empfehlung der Polizei.

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