Im Interview

Katja Fernholz-Bernecker im Gespräch über die Musikschule

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Katja Fernholz-Bernecker übernimmt Anfang März die Amtsgeschäfte der Musikschule Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Die Zeit der Einarbeitung hat für die neue Musikschulleiterin Katja Fernholz-Bernecker begonnen. Sie hat das Ruder an der Altenaer Straße übernommen, das Büro des scheidenden Musikschulleitern Franz Schulte-Huermann bezogen. Wir sprachen mit ihr über ihre Pläne.

Auf ihrem musikschulpädagogischen Stundenplan stehen schon seit Wochen keine Unterrichtsstunden mit dem Instrument mehr, sondern eher Bürokratisches. Pläne, Visionen, neue Wege? Quo vadis, Musikschule – mit Katja Fernholz-Bernecker sprach Jutta Rudewig.

Fühlen Sie sich schon heimisch in dem neuen Büro?

Katja Fernholz-Bernecker: Irgendwie noch nicht so ganz. Ich bin immer noch viel in meinem alten Büro. Franz war 22 Jahre hier, da schwebt so ein bisschen sein Geist durch den Raum. Hätten Sie jemals daran gedacht, diese Musikschule leiten zu wollen? Fernholz-Bernecker: Niemals. Das hat sich einfach so ergeben. Ich habe lange Zeit unterrichtet, es ist an der Zeit, mal etwas anderes zu machen. Mich reizt das. Ich habe auch lange darüber nachgedacht, mich zu bewerben. Das erfordert hier viel Kraft. 

Was möchten Sie als neue Musikschulleiterin vorrangig umsetzen?

Fernholz-Bernecker:  Ein zentrales Thema für mich ist „Musikschule für alle“. Dafür möchte ich die Voraussetzungen im Stadtgebiet schaffen. Wir müssen uns öffnen für andere Kulturen. Ich habe Fortbildungen für europäische Musik besucht. Mit den sieben angeschafften Baglamas haben wir Bien Anfang gemacht. Aber wir müssen in der Richtung weiterdenken, Schwellenängste abbauen, die Türen öffnen. Die Zeit des ,Elfenbeinturms Musikschule' ist vorbei.

Ein Weg dahin ist das Projekt JeKits. Wird das Programm vorangetrieben?

Fernholz-Bernecker: Auf jeden Fall. Jekits wird erweitert. Wir müssen da hingehen, wo die Schüler sind. Und wir müssen die Kinder früh abholen und ihnen einen Zugang zur Musik ermöglichen. Das verstehe ich unter „Musikschule für alle“. Wir müssen ein Begegnungszentrum werden als Gegenpol zu der Handygeneration.

Ziehen Sie sich jetzt aus der Musik und hinter den Schreibtisch zurück?

Fernholz-Bernecker:  Nein, auf keinen Fall. Ich möchte unbedingt den Kontakt zu den Schülern und Eltern behalten. Zum Beispiel bei Jekits oder in der Friedenschule. Ich werde jetzt erst einmal die Vorspiele der anderen Musikrichtungen und Veranstaltungen besuchen. Ich muss wissen, wie sich das anfühlt und selbst im Boot bleiben. Ich muss mich einfach ausprobieren und neu finden, das Fundament kennenlernen.

Sie spielen als eine Hälfte des Duo Accords galants, die andere Hälfte ist Andreas Koch. Wird man Sie jetzt nicht mehr auf der Gitarre hören?

Fernholz-Bernecker: Die aktive Zeit des Duo Accords galants liegt schon seit zwei Jahren auf Eis. Ich war krank, und man muss da ständig dran bleiben. Natürlich will ich auch weiter Musik machen, das trägt zur Entspannung bei.

Wenn Sie am 2. März offiziell die Amtsgeschäfte übernehmen, sieht man dann das Kollegium aus einem anderen Blickwinkel?  

Fernholz-Bernecker: Wir werden Gespräche führen und einen roten Faden entwickeln, wer wo vielleicht Probleme oder Ressourcen hat, wer wie viele Stunden gibt oder vielleicht ganz neue Ideen hat. Wir müssen auch der demografischen Entwicklung gerecht werden und zum Beispiel schauen, ob wir Seniorenmusik anbieten können. Mir ist die Kooperation mit den anderen Einrichtungsleitern wichtig. Und auch, dass wir auch den Fokus auf die Ausbildung in der Spitze legen, zum Beispiel mit der Studienvorbereitenden Ausbildung. Wir müssen für alle das richtige Angebot finden, nicht nur in eine Richtung arbeiten, sondern verschiedene Begabungen fördern.

Freuen Sie sich auf das neue Gebäude?

Fernholz-Bernecker: Na klar. Wir sind jetzt schon regelmäßig an den Planungen beteiligt und werden gefragt, wie wir uns die Dinge vorstellen könnten. Der Bau einer Musikschule stellt besondere Anforderungen. Musikschulleiterin, das Stadtjubiläum mit allen Veranstaltungen und nebenbei der Bau einer neuen Musikschule – ich muss hier erst mal ein Bein an die Erde kriegen.

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