Seil über Straße gespannt: Roman über Mord-Attacke auf Biker

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Der Killer hat was gegen Motorradfahrer. Oder doch nur was gegen Chorleiter?

Lüdenscheid – Was ihre soeben begonnene Lesereise betrifft, schafft es die Autorin Kathrin Heinrichs erst einmal nicht bis Lüdenscheid – aber bis Halver: Am 12. November stellt sie ihren 10. Sauerlandkrimi im Kulturbahnhof an der Bahnhofstraße 19 vor.

20 Jahre Bühne liegen dann hinter der Mendener Autorin, die auch in Lüdenscheid eine große Fangemeinde hat. Pünktlich zum Bühnenjubiläum erschien der neue Krimi „Aus dem Takt“, Vincent Jakobs 10. Fall. Der Lehrer eines katholischen Gymnasiums irgendwo in einer Kleinstadt und irgendwo im Sauerland ermittelt in seinem neuen Fall in Chorkreisen.

Dissonanzen, jener Missklang in der Musik und anderswo, durchziehen die 256 Seiten von „Aus dem Takt“. Und schnell wird klar: Die schrulligen Dorfbewohner demonstrieren mehr Schein als eine echte heile Welt dort, wo auf dem Land ja noch alles in Ordnung ist. Vincent Jakobs singt im örtlichen Chor. Als sein Chorleiter nach der Probe von seiner Frau Kerstin vermisst wird, ahnt niemand, dass eine Drahtfalle den Motorradfahrer von den Rädern geholt und faktisch geköpft hat.

Vincent und sein Kollege Max von der Hagener Mordkommission machen sich auf die Suche nach dem Mörder. Zickerei in Frauenchören, Überalterungsprobleme, Nachwuchssorgen innerhalb der Chöre sind die Hälfte der Zutaten für den Sauerlandkrimi, den die Autorin wie in all ihren Büchern mit viel, aber nicht übertriebenem oder gar konstruiertem Lokalkolorit gespickt hat. Die andere Hälfte ist globaler: Das Sauerland ist seit je her ein Anziehungspunkt für Biker, die mit ihren schweren Maschinen nur zu gern über die kurvenreichen Straßen zwischen Olpe und Lippstadt, Marsberg und Iserlohn donnern.

Was dem einen Freud, ist dem anderen gar nicht so recht und vielleicht sogar ein Motiv, dem Biker-Hype ein ziemlich brutales Ende zu setzen. Heinrichs lässt an einer Stelle ihre Kommissarin Silke Brandner formulieren: „Ich wohne in der Pampa, weil ich meine Ruhe haben will, und dann jedes Wochenende dieser Radau. Kannst du dir vorstellen, wie es ist, wenn du nach zwei Nachtschichten am Samstagmorgen von einer getunten Harley geweckt wirst, nur weil irgend so ein verfickter Zahnarzt mal was anderes hören will als seinen Bohrer?“

Es sind die vielen kleinen verschrobenen Eigenheiten der Sauerländer, die Heinrichs in ihren Roman geschickt verarbeitet. Sie sind nicht konstruiert – immerhin lebt die Autorin seit Jahrzehnten selbst mittendrin und kennt ihre „Pappenheimer“ sehr genau.

Auch in Vincent Jakos zehnten Fall legt die Autorin wieder mehrere Fährten aus bis hin zum überraschenden Ende, das an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Was wäre ein Krimi denn, wenn man den Mörder schon vorher kennt? Seit 1999 ist Kathrin Heinrichs als Autorin und Kabarettistin tätig. 

Neben ihren Krimis, Kurzgeschichten und Kabarettprogrammen entwarf sie bereits diverse Theaterstücke. Sie gewann den mit 5000 Euro dotierten Literaturpreises „vo:pa“ für die beste Kurzgeschichte, ist Mitglied im „Syndikat“, der „ehrenwerten Gesellschaft deutschsprachiger Krimiautoren“.

Am vergangenen Freitag fand zusammen mit der Kult-Band Wildes Holz die Buchpremiere auf der Mendener Wilhelmshöhe statt. „Selten habe ich eine so stimmungsvolle, lebhafte, wunderschöne Buchpremiere erlebt wie auf der Wilhelmshöhe! Wildes Holz war sensationell! Danke allen, die dabei waren“, postet Kathrin Heinrichs aktuell auf ihrer Internetseite. In Lüdenscheid begab sich die Autorin im vergangenen November gemeinsam mit den Stadtfrauen auf Mördersuche.

Für ihre Lesereise durch das Kreisgebiet sind vorerst Termine in Hemer (8. Oktober, Haus Hemer), in Halver (12. November, Kulturbahnhof), in Neuenrade (15. November, Stadtbücherei) sowie in Iserlohn (16. Januar am Stadtbücherei) und auf dem Hof Drepper in Iserlohn-Sümmern am Trecklenkamp geplant. Karten für die Lesung in Halver gibt es im KöShop und in der Halveraner Stadtbücherei.

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