Pfarreientwicklungsprozess

Damit  nicht nur eine übrig bleibt: Katholiken kämpfen für zweite Kirche

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Brigitte Denger und Günther Weiß gehören zu den Initiatoren der Unterschriftenaktion.

Lüdenscheid – Noch in diesem Jahr soll die Entscheidung fallen, wo die katholische Pfarrei St. Medardus künftig ihren zentralen Standort für Kirche und Gemeindeleben aufbauen will. Aber nach wie vor gibt es Kritiker, die sich nicht mit nur einer katholischen Kirche in der Stadt abfinden möchten. Eine Gruppe mit rund 16 Aktiven aus den Gemeinden hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Ihr Ziel: Eine zweite katholische Kirche auch über 2030 hinaus für Lüdenscheid zu erhalten.

Dabei stellen sie die Entscheidung für einen zentralen Standort für die Pfarrei mit Gemeindehaus und Kirche nicht in Frage, betonen Günther Weiß und Brigitte Denger, die zu den Initiatoren der Aktion zählen. Aber sie möchten daneben eine weitere Kirche behalten. Die Entscheidung für nur einen Standort sei „unter falschen Voraussetzungen“ getroffen worden, sagt Brigitte Denger.

Denn Nachfragen auch beim Bistum Essen hätten ergeben, dass es finanziell durchaus möglich wäre, mehr als eine Kirche länger zu erhalten. Die Zahlen, auf denen die Entscheidung dagegen beruhten, seien den Gemeindemitgliedern „in einem Affentempo“ präsentiert worden, sodass keine Zeit für Fragen geblieben sei.

„Wenn wir alles zentralisieren, wird es Kollateralschäden geben“, ist Günther Weiß überzeugt, der selbst Mitglied im Pfarrgemeinderat und in der Koordinierungsgruppe des Pfarreientwicklungsprozesses ist. Viele Menschen würden dann den Kontakt zur Gemeinde aufgeben. „Sobald eine Messe gestrichen wird, endet schnell eine Bindung“, ergänzt Brigitte Denger. Das habe die Erfahrung gezeigt. Sie kritisieren, dass die Verantwortlichen der Pfarrei ihrer Meinung nach keine Option für Alternativen zuließen und darauf verweisen, dass das vom Bischof abgesegnete Votum bindend sei. 

Die Koordinierungsgruppe hat derzeit die Aufgabe, Beschlussvorlagen zu erarbeiten, nach denen die Mitglieder von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat schließlich ihre Entscheidung für den zentralen Standort für Kirche und Gemeindeleben treffen sollen – zur Option stehen werden dann voraussichtlich Standorte sowohl mit Kirche und Gemeindehaus, oder auch eine Option, die Kirche und Gemeindehaus an zwei verschiedenen Orten vorsieht. 

Für die Kritiker, die nach Angaben von Weiß und Denger aus ganz unterschiedlichen Gruppen der Pfarrei stammen, ist diese endgültige Festlegung zum jetzigen Zeitpunkt völlig unnötig. Sie wollen vielmehr, dass die Pfarrei sich den konkreten Bedarfen anpasst: „Wir wollen möglichst viel so lange wie möglich behalten, sofern das finanziell möglich ist. Was wir nicht mehr brauchen, können wir jederzeit schließen“, erklärt Günther Weiß. Es sei schließlich überhaupt nicht möglich, verlässliche Voraussagen zu Finanzen und Gemeindemitgliedern über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren zu treffen, wie es der Pfarreientwicklungsprozess vorsieht.

Pfarrversammlung im September 

Bis zur Pfarrversammlung im September wollen Weiß und Denger nun mit ihren weiteren Mitstreitern Unterschriften gegen die Reduzierung auf einen Standort sammeln. Und das vor allem gezielt unter denjenigen, die sich derzeit aktiv am Gemeindeleben beteiligen und die Gottesdienste der Pfarrei in den derzeit noch fünf Kirchen regelmäßig besuchen. „Damit unsere Aktion auch Aussagekraft hat“, betont Brigitte Denger.

Übergeben werden sollen die Unterschriften bei eben dieser Pfarrversammlung am Mittwoch, 18. September, ab 19 Uhr im Bürgerforum des Rathauses. Dort soll die Pfarrei über den Stand des Entwicklungsprozesses informiert werden. Am 27. Oktober sollen die Gremien der Pfarrei die Entscheidung über den künftigen Pfarreistandort treffen.

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