Karl Dall: Altmeister der Komik philosophiert übers Alter

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Komiker-Urgestein Karl Dall gab im Kulturhaus das Stück „Der Opa“. -

LÜDENSCHEID - Jahrzehnte lang war er stets darum bemüht, sein Image als Blödel-Anarchist aufrecht zu erhalten, mit derber Wortwahl anderen in die Parade zu fahren und weichgespülte Shows mit dem aufzumischen, wozu sich die Weichgespülten nicht trauen. Am Abend musste Karl Dall (71) niemandem mehr ins Wort fallen.

In dem Ein-Mann-Stück „Der Opa“ mimte er den Großvater, den sich nun wirklich niemand wünscht. Der Grandseigneur der deutschen Komik gab halt nicht den lieben Opa, der mit einem gütigen Lächeln goldene Sahnebonbons verschenkt, sondern eher den, den das Babysitting für die Kinder der missratenen eigenen Kinder nervt. Die Stimme aus dem Off leitete das Publikum im Parforceritt durch das Dall'sche Leben vom kleinen Karlchen bis zur Hochzeit und am Ende bis ins Golf-Car, mit dem Dall auf die Bühne rollerte. Dort angekommen erzählte er aus seinem Leben als Opa, der Reise nach Mallorca, von Enkel Bodo, davon, dass man mit 70 aufhören sollte, kleine Kinder in die Luft zu werfen, von Aufzuchtsanweisungen, der Prostata-Untersuchung und den DVDs, die er davon in HD-Qualität an die Verwandten verschenken wollte.

Mit seiner Kodderschnauze und derben Witzen wusste er im Kulturhaus zu gefallen. Aber hier und da glitt der einstige „Insterburger“ in die Melancholie ab. Das waren Momente, in denen Dall seine Altersphilosophie durchblicken ließ: Leben heißt Warten, am Ende sogar auf den Tod des eigenen Vaters.

Das Stück selbst stammt aus der Feder des isländischen Erfolgsautors Bjarni Haukur Thorrson. Wie viel der Protagonist vom ursprünglichen Text verdallt hat, lässt sich nur erahnen. Zumindest wohl den einen oder anderen Kalauer, der wenigstens so alt war wie der Altmeister selbst.

Karl Dall hatte sich bereits seit Jahren mit seinen eigenen Programmen von der Bühne verabschiedet. Nun spielt er als Opa vor vollen Häusern – die Vorstellung in Lüdenscheid war seit Monaten ausverkauft. Am Ende eines knapp 90 Minuten langen Stücks über die Annehmlichkeiten und Tücken des Alter(n)s zollte das Publikum artigen Applaus, der Vorhang fiel, und die obligatorische Zugabe blieb aus. - rudi

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