Horst Haitzinger plaudert in der Galerie aus dem Nähkästchen

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„Arche“, eines der Ölbilder des Münchner Malers.

LÜDENSCHEID - Die Möglichkeit, den Karikaturisten Horst Haitzinger näher kennen zu lernen, nutzte am Samstag eine große Zahl an Liebhabern bissiger Karikaturen und detailreicher Malerei.

Nachdem der gebürtige Oberösterreicher bereits am Freitagabend vor mehr als 200 Besuchern seine Ausstellung mit Karikaturen und Gemälden in der Städtischen Galerie eröffnet hatte, stand er seinen Fans am Samstag im Rahmen eines Bürgergesprächs mit Signiermöglichkeit zur Verfügung.

Haitzinger plauderte an diesem Vormittag nicht nur mit seinem Freund Gerd Ellenbeck aus dem Nähkästchen, sondern nahm sich viel Zeit, um Fragen zu beantworten und suchte mit seinen Fans das persönliche Gespräch. Die Kunstfreunde erfuhren eine Menge über den Virtuosen an der „Spitzen Feder“, die tatsächlich ein Pinsel ist. Zum Beispiel, dass Haitzinger eine echte Schulniete war und er seiner Mutter dafür dankt, dass sie schon früh sein zeichnerisches Talent entdeckte und förderte. Oder dass sich ein Karikaturist bei der berühmten Satirezeitschrift „Simplizissimus“, wo sich der junge Haitzinger sein Studium an der Münchner Kunstakademie finanzierte, in Bescheidenheit üben musste, was die Honorare anging. „Da wurden die Zeichnungen nach Format bezahlt, und manch anderer hat mit drei Strichen eine ganze Seite bekommen, während ich für viel aufwändigere Arbeiten deutlich weniger Platz und damit auch weniger Geld erhielt“, erinnert sich Haitzinger.

Im Schnitt habe er an einer Karikatur damals etwa 30 bis 40 D-Mark verdient, deren Zahlung dann auch noch lange auf sich warten ließ. Dennoch sei er unglaublich stolz gewesen, für diese legendäre Zeitschrift arbeiten zu dürfen.

Heute fertigt der Österreicher pro Tag eine aktuelle Karikatur an, die er in den unterschiedlichen Tageszeitungen veröffentlicht. „Nach dem Frühstück lese ich zuerst die Zeitungen und schaue die Nachrichten, bevor ich gegen 12 Uhr ein Telefonat mit meiner Münchner Redaktion habe und bespreche, welches Thema behandelt wird“, schildert Horst Haitzinger seinen Tagesablauf. „So etwa um 14 Uhr habe ich dann eine konkrete Idee und beginne mit der Arbeit, und spätestens um 15.30 Uhr klingelt dann schon wieder das Telefon, und jemand fragt, wo denn die Zeichnung bleibt.“

Ganz im Gegensatz zu der tagesaktuellen, zügigen Arbeit an den Karikaturen, die mit wenigen Pinselstrichen politische Sachverhalte auf den Punkt bringen müssen, gibt sich Haitzingers Malerei detailreich und schwelgerisch, wobei sie sich nicht selten an alten Meistern orientiert. An einem Gemälde arbeitet der Künstler oft über einen extrem langen Zeitraum, bis es hundertprozentig seinen Vorstellungen entspricht. „Bei der Malerei bin ich vor allem von gutem Handwerk fasziniert und versuche natürlich auch selbst, gutes Handwerk abzuliefern“, so Haitzinger.

Auf Parallelen seiner fantasievollen Gemälde zu denen des Surrealisten Salvador Daliangesprochen winkt Haitzinger allerdings ab. „Dalis Werke haben aus meiner Sicht keinen Hintergrund und entstanden ausschließlich mit Blick auf eine breite Wirkung in der Öffentlichkeit“, meint Haitzinger. Seine eigene Malerei dagegen habe ihre Wurzeln in Erlebnissen und Träumen aus der Kindheit. Auf Vorbilder angesprochen nennt Haitzinger neben Hieronymus Bosch das Spätwerk von Carl Spitzweg. „Dagegen wirken die Gemälde des für sein Handwerk gefeierten Dali fast dilettantisch“, schwärmt Haitzinger.

Ganz grundsätzlich macht Österreicher jedem Menschen Mut, seine Talente zu erkennen und zu nutzen. „Es sind viel mehr Kinder und viel mehr Menschen talentiert, als man denkt“, ist sich der Karikaturist sicher. „Es gehören aber auch der Wille und die Freiheit dazu, aus dem Talent etwas zu machen.“ Die Ausstellung „Karikaturen und Malerei“ von Horst Haitzinger ist noch bis einschließlich 5. Mai jeweils von mittwochs bis sonntags in der Zeit von 11 bis 18 Uhr in der Städtischen Galerie zu sehen.

Begleitend zur Ausstellung wird ein pädagogisches Programm angeboten, das - jeweils abgestimmt auf das Alter der Teilnehmer - eine Führung und einen praktischen Teil beinhaltet. Wer Interesse an einem solchen Workshop hat, kann sich unter der Rufnummer Tel. 0 23 51/17 14 96 mit der Infotheke in der Galerie in Verbindung setzen. - bot

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