Kandidaten im Internet: www.waehlt-mich-mal.de

So geht’s auch: Michael Thomas-Lienkämper (M.), Bewerber um einen Listenplatz für die Partei Die Linke, hoch zu Ross in Kanada.

LÜDENSCHEID ▪ Irgendwie sind sie ja alles Piraten. Keiner will Gesicht und Motto nur mehr an Laternen, Schildern, Zäunen festgetackert haben. Alle sechs Landtagskandidaten im Wahlkreis 123 setzen zusätzlich auf die „Generation Klick mich!“.

Wer auf Facebook „Gefällt mir“ drückt oder fleißig twittert und bloggt, hat ja auch eine Stimme. Das wissen nicht nur Piraten. Der Stimmenfang ist längst Teil der www-Politik. Der Blick ins Internet – zugegeben: streiflichtartig, bunt durcheinander und unkomplett – zeigt, wer mit welchen Ideen auf Wahlkampftour im weltweiten Netz unterwegs ist.

Mit einem jovialen „Hallo zusammen“ bewirbt sich der Grüne Geza Lang – „Entstehungsjahr 1961“ – auf der Internet-Präsenz seiner Partei um ganz viele Kreuzchen hinter seinem Namen. Der Tanzlehrer möchte „für euch und unsere Gesellschaft in Düsseldorf tanzen, für Wertschätzung, Respekt und Toleranz für Mensch, Tier und Natur“, schreibt er. Auf Facebook – zu seinen 662 „Freunden“ zählt auch CDU-Mann Oliver Fröhling – kommt der barhäuptige Sauerländer eher maritim daher. Das größte Foto zeigt ihn einsam posierend vor einer unbegrünten Yachthafen-Kulisse. Vor ganz grünem Fotohintergrund verpasst sich der Tanzlehrer plakativ karge Prägnanz. „Geza Lang macht mehr möglich“, steht da.

„Mach Dudas!“ stand unlängst auf einem Plakat, das Fans dem SPD-Kandidaten Gordan Dudas entgegengehalten haben. Ein niedliches Wortspielchen, verkleidet als Befehl. Die Frage „Kannst Dudas?“ beantwortet sich zumindest im Zusammenhang mit seiner Internet-Präsenz ziemlich schnell. Er kann das. Oder: Immerhin die Leute, die die Homepage für ihn zusammengestrickt haben, können das.

Gordan Dudas – „Einer für alle“ – ist online modern. Er ködert Jung- und Neuwähler mit einem Youtube-Filmchen, das wie ein Konsolenspielchen à la Super-Mario anmutet. Man ist versucht, auf „go!“ zu drücken, das geht aber nicht. Dafür kann man zu Facebook wechseln und stellt fest: Einer seiner 1625 „Freunde“ dort: Oliver Fröhling.

Auf seinem Facebook-Profilbild ist der Linke unter den Kandidaten in der Mitte zu finden – wie aus einer Marlboro-Reklame ausgestanzt, sitzt Sozialarbeiter Michael Thomas-Lienkämper auf einem Pferd. Stetson auf dem Kopf, im Hintergrund die unendlichen Rocky Mountains, links und rechts neben sich: zwei weitere Cowboys.

Der Naturbursche engagiert sich zum Beispiel für einen „guten öffentlichen Dienst“, schreibt er, versucht auf der Linken-Homepage ein bieder-freundliches Gesicht zum karierten Flanellhemd und tritt „für gute Löhne“ ein. Unter seinen 81 Facebook-“Freunden“: nicht Oliver Fröhling, dafür „Sarah Wa“, die aber nicht die richtige Sahra Wagenknecht ist.

Na klar, auch Angela Freimuth (FDP) wirbt im weltweiten Netz für sich, und natürlich auch auf Facebook. Dort zum Beispiel mit einem Foto, dass sie strahlend zwischen Wulff und Westerwelle zeigt. Super-Promis ziehen immer, soll das wohl heißen. Aber es gibt auch Inhalte. Derzeit ganz oben auf ihrer Homepage: das Plädoyer für verkaufsoffene Sonntage, dazu Bildung, Schulden natürlich, Energie oder Mobilität.

Und jetzt endlich: Oliver Fröhling. Mit Film. Und mit einem Problem. „Welche Brille soll ich am Wahlsonntag tragen?“ Er hat zwei davon, eine randlose, eine eckige schwarze. Das sollen – ganz basisdemokratisch – seine Wähler entscheiden. Also gibt es, „Klarer Durchblick für klare Inhalte“, ein Brillen-Voting. „Welchens Brillenmodel gefällt Ihnen besser?“, steht da. Allen Ernstes.

Das könnte der örtliche Chef-Pirat Michael Meyer toppen. Tut er aber nicht. Denn Michael Meyer von der Online-Partei hat bei Facebook gekündigt. Die Piraten-Internetseite verkündet, er wolle „für die Piraten einen erfolgreichen Wahlkampf gestalten“. Mit welchen eigenen Inhalten, bleibt nebulös. Irgendwie sind sie wohl doch nicht alles Piraten.

Olaf Moos

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