Stadt geht in die Offensive: Kampf gegen Taubenplage

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Kulturverfolger Taube: Die Stadt will das Füttern vermidnern und die Population verringern.

Lüdenscheid -  Das Thema polarisiert: Die Mehrzahl der Lüdenscheider empfindet Tauben in der Stadt zunehmend als Belästigung und Plage. Tierschützer hingegen weisen darauf hin, dass ein reines Fütterungsverbot die Population nicht verringern oder verdrängen würde.

Bereits die Ankündigung, Informationskarten verteilen zu wollen, löste Kritik und Leserbriefe ( 4. Lokalseite) aus. „Ratten füttern Sie doch auch nicht“ stand auf den Karten, die der Fachbereichsleiter für öffentliche Ordnung, Thomas Ruschin, am Mittwoch auf dem Wochenmarkt verteilte.

„Das ist ein extremes Thema. Wir haben da bewusst provoziert“, räumt Ruschin im LN-Gespräch ein. „Aber mit bräsigem Behördendeutsch erreichen wir niemanden“, hat er erkannt. „Die Kritik nehmen wir in Kauf.“ Und Ratten wie Tauben seien Kulturverfolger, verteidigt er den Vergleich.

Dabei geht es seitens der Stadt nicht um eine ordnungsbehördliche Offensive und die massive Bedrohung durch Bußgelder. Vielmehr setze man auf die Einsicht der Bürger, das bewusste Füttern zu unterlassen und sorgsamer mit Essensresten umzugehen, die an jedem Imbissstand anfallen und die Vögel anlocken. Die Zustimmung der meisten Gesprächspartner auf dem Rathausplatz nimmt Ruschin als Bestätigung der Initiative, die auch das Ziel hat, Fassaden und Autos vor dem aggressiven Vogelkot zu schützen.

Es habe vermehrt Beschwerden von Bürgern gegeben. Dies sei Anlass für die Kampagne. Die Karten werden auch an Gastronomen und Händler verteilt. Als Ordnungsbehörde habe sich die Stadt in der Vergangenheit zurückgehalten. Das Bußgeld in Höbe von 35 Euro sei eine „Kann-Bestimmung“. Im vergangenen Jahr sei es kein einziges Mal verhängt worden, erläutert Thomas Kieseier, zuständiger Sachbearbeiter im Rathaus. Die Tauben aus der Stadt komplett zu verdrängen, sei ohnehin illusorisch. Ziel sei, die Population nicht weiter anwachsen zu lassen.

Bei Hans Werner Müller, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Wochenmarkt, stößt die Initiative auf Zustimmung. „Ich finde es gut, dass die Verwaltung hier rauskommt“, sagt er. Doch die Möglichkeiten der Standbetreiber seien mit Blick aufs Taubenproblem beschränkt. „Ich bitte die Kunden, Reste in die Mülleimer zu werfen. Viel mehr kann ich nicht tun.“ Doch auch Müller beobachtet, wie Kunden Brötchenkrumen absichtlich unter den Tischen verteilen, um die Vögel zu füttern.

Wie man das vorsätzliche wie fahrlässige Füttern kontrollieren will, ist noch offen. Zuständig ist der Außendienst des Ordnungsamts und auch die Stadtstreife. Die aber fällt im kommenden Jahr dem Haushaltssicherungskonzept zum Opfer und wird eingestellt. „2016 haben wir weniger Augen auf der Straße“, weiß der Ordnungsdezernent.

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