Orgelsommer beginnt beeindruckend

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Uli Kammerer am Saxophon und Wolfgang Schröter an der Orgel bescherten den Gästen in der Christuskirche einen eindrucksvollen Einstieg in den Orgelsommer.

LÜDENSCHEID - Kerzenschein empfing die Gäste im Eingangsbereich der Christuskirche, der Altarraum war ebenfalls stimmungsvoll ausgeleuchtet. Was dann folgte, war mehr als ein Konzert, es war Urlaub für die Seele. Uli Kammerer am Saxophon und Wolfgang Schröter an der Orgel bestritten den Abend im Rahmen des zweiten Lüdenscheider Orgelsommers und bescherten dem beeindruckten Publikum einen Hochgenuss.

Mit wenigen leisen Tönen verbreiteten sie eine derart tiefgängige, meditative Atmosphäre im Kirchensaal, wie dies nur wenigen gelingt. Orientalische Klänge erfüllten den Raum, sensibel am Sopransaxophon entfaltete Läufe in harmonischem Wechselspiel mit der Orgel: ein kontrapunktisch angelegtes Werk, das Schröter komponiert hat. Zur Intensität trug sicher auch der Umstand bei, dass sie von der Empore aus agierten, deshalb nicht zu sehen waren und es nichts gab, was die Aufmerksamkeit von der Musik ablenken konnte.

Die Walker-Orgel in der Christuskirche mit ihren romantischen Grundstimmung harmonierte – von Schröter etwas basslastig gespielt – perfekt mit dem Saxophonklang. Kammerer und Schröter hatten viele eigene Bearbeitungen mitgebracht: eine Fuge von Bach, ein Lied aus dem Kirchengesangbuch, um dann zunehmend die Welt des Barock zu verlassen. Intensiv erklang ein leicht melancholisches, traditionelles Klezmerstück, gespielt am Sopransaxophon. Perfekt in Technik und Ansatz fesselte Kammerer mit feinsinniger Interpretation. Ein Werk aus der Filmmusik zu Schindlers Liste folgte. Ein lang gezogener Basston an der Orgel, dann die Entfaltung des akkordischen Einstiegs, dazu ein wehklagender textloser, gesungener Ton des Organisten, leise stieg Kammerer mit seinem Tenorsaxophon ein und entfaltete hochkonzentriert das musikalische Thema. Es gelang den Musikern, ihr Niveau vom ersten bis zum letzten Ton zu halten, ohne an Interpretationstiefe zu verlieren. Und genau dies zeichnete ihr Spiel aus.

Stehende Ovationen waren die Antwort des Publikums hierauf, Zugaben folgten am Flügel: die Musikanten wechselten in den Kirchenraum, damit das Publikum sie zumindest in der Zugabe live sehen und erleben konnte.

„Ich bin jetzt 80 Jahre alt, aber so etwas Beeindruckendes wie heute habe ich noch nie in meinem Leben gehört“, fasste ein Zuhörer sichtlich bewegt zusammen. Es war ein Konzert der Spitzenklasse, das ein voll besetztes Gotteshaus verdient hätte. -  maya

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