„Kaffee Fabriksken“: Hexe spendet ihr Häuschen

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Kunst-Schnee: Konditormeister Hermann Gaubatz (61) lässt es gefrieren – auf Dach und Zaun, auf der Tanne und überall, wo für die süße, dekorative Zuckermasse noch Platz ist. Besonders die Eiszapfen haben’s ihm angetan: „Die muss man üben. Und schön lang ziehen.“

Lüdenscheid - „Ein Haus aus Pfefferkuchen fein“ ist kein Hexenwerk. Zweieinhalb Stunden konzentriertes Arbeiten, und dann steht die Märchenvilla im verschneiten Winterwald. Konditormeister Hermann Gaubatz hat sie für das „Kaffee Fabriksken“ gebaut. Für dessen Betreiber, Kaffee-Experte Sebastian Benkhofer, symbolisiert es ein erweitertes Geschäftskonzept und eine Spendeninitiative in der Adventszeit.

Häuslebauer unter sich: Sebastian Benkhofer hilft gerne mit und hat auch Ahnung: „Mein erster Berufswunsch war Konditor.“

Seit dem 1. November ist das „Kaffee Fabriksken“ nun auch Konditoreibetrieb und Sebastian Benkhofer damit in die Handwerksrolle eingetragen. „Irgendwann war der Punkt erreicht, wo’s im Laden nicht mehr ging“, erzählt Benkhofer.

Die Küche am Oberstadt-Standort ist zu klein für den stetig steigenden Bedarf an Kuchen und Torten. Also mietete er neben seiner Rösterei an der Altenaer Straße Räume für eine Backstube an – großzügiges Reich für den langjährigen Sportcasino-Konditor Hermann Gaubatz, dessen Sohn als „Fabriksken“-Betriebsleiter tätig ist. „Jetzt steigen wir voll ein mit allem, was eine Konditorei zu bieten hat“, freut sich der Meister über die neue Herausforderung.

Liebesperlen-Ringe, Pistazienbäumchen und Kokossterne sind die „Dachschindeln“, ergänzt durch allerlei zugekaufte Kleinigkeiten.

Die lässt ihn auch mal zum Architekten werden. Das große Knusperhäuschen, das an diesem Nachmittag entsteht, dient einem guten Zweck. Gegen eine kleine Spende für ein Oxfam-Projekt erhält, wer möchte, unter anderem die Chance auf ein eigenes Häuschen, konstruiert aus Kalorien und kunstvollen Details. Die Aktion endet am 20. Dezember.

Baby-Äpfel-Konserven als Hauswand-Stützen, zähflüssige Schokolade als Mörtel, mit Staubzucker bestäubtes Eiweiß als Schnee, viel Phantasie, Handarbeit und gute Zutaten – so lebt Weihnachtstradition aus Kindheitstagen wieder auf. Etwas „krumm und schief“ ist erlaubt – „ein Hexenhäuschen darf das“.

Liebesperlen-Ringe, Pistazienbäumchen und Kokossterne sind die „Dachschindeln“, ergänzt durch allerlei zugekaufte Kleinigkeiten.

So krumm aber dann doch nicht: Die Seitenwand klebt mal eben quer statt hoch – so passt das Dach niemals. Die Ruck-zuck-Reparatur rettet das Konstrukt; kleine Fehler verschwinden unter gnädigen Eischneewülsten. Der Rest ist mit Gebäck-Schindeln und Zuckersüßem gedeckt.

Fertig: Fabriksken-Betriebsleiter Steven Gaubatz freut sich über das Interesse von Kundin Elke Belemann.

Der Zaun trägt Lochtüllenmuster und schwer an Schnee. Man ahnt, dass er niemanden davon abhalten wird, Grenzen zu überschreiten. Aus dem Schornstein steigt Watte empor statt Zuckerwatte: „Die ist zu anfällig für Luftfeuchtigkeit“, weiß der Fachmann. Die könnte selbst Lebkuchenwände zum Einsturz bringen – wenn die nicht üppig mit Schokolade lasiert wären. Die große Tanne wird zum Schluss vors Haus gepflanzt, „sonst klappt das mit dem Zapfenspritzen nicht“. Geübt und rhythmisch angebracht, erstarren sie nach und nach am Giebel, wie gewünscht laaang auslaufend. Knusper, knusper, knäuschen . . .

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