Käthes Kleid und die Damen mit Hut

LÜDENSCHEID ▪ Keine bunten Tellerchen in den Auslagen, keine herzförmigen Devotionalien in den Schaufenstern. Prinz William und seine Kate – im Sauerland würden sie Willi und Käthe heißen – heiraten morgen jenseits des Ärmelkanals und fernab von deutscher Nüchternheit. Aber durch Lüdenscheid zieht sich ein Graben – zwischen Männlein und Weiblein.

Stern-Center-Managerin Regine Votteler etwa hätte sich am liebsten einen Tag frei genommen, um bloß keine Sekunde der TV-Übertragung zu verpassen – ist aber „erschüttert und tief traurig“, dass das nicht klappt. „Da bin ich ein richtiges Mädchen.“ Besonders gespannt ist sie auf Kates Kleid, so die Managerin.

„Turbo-Schnecke“ Brigitte Klein findet royalen Pomp zwar ganz nett, sagt sie. „Aber die Hochzeit von Fürst Albert II. von Monaco und seiner Braut Charlene Wittstock finde ich schöner, die würde ich mir eher angucken.“

Christine Buchhheister, Präsidentin des Rotary-Clubs Lüdenscheid-Zeppelin, antwortet wie aus der Pistole geschossen. „Natürlich gucke ich!“ Es sei schön, ein bisschen heile Welt zu erleben und schicke Kleider anzuschauen. Außerdem habe sie eine besondere Nähe zu London, „weil meine beste Freundin da wohnt. Da wäre ich am Freitag gerne dabei.“

Und Alexandra Füchter, Chefin der Polizei-Führungsstelle, möchte ebenfalls einen Blick auf Kate Middletons Kleid werfen, aber erst abends, denn tagsüber ist sie im Dienst. „Das ist eine ganz emotionale Geschichte. Ich glaube, die beiden sind wirklich verliebt, und es ist nicht eine von diesen arrangierten Hochzeiten.“

Die Herren der Schöpfung gehen nüchterner mit dem Thema um. Sparkassen-Direktor Udo Lütteken hat seinen Terminplan bis 16 Uhr blockiert, „aber nicht wegen dieser Hochzeit“. Die Hysterie der Fans hält der Bänker für „völlig überzogen“.

Jürgen Gößlinghoff, Leiter des Standesamtes und Experte für Hochzeiten, sieht es ähnlich. „Da schaue ich mir lieber ein interessantes Fußballspiel an.“ Außerdem habe er am Freitag zwei Trauungen zu vollziehen.

Als „nachvollziehbar“ bezeichnet Superintendent Klaus Majoress die Begeisterung um die Hochglanzhochzeit „und die eigentümliche Affinität zu Königshäusern“. Viele Menschen aber, sagt der Kirchenmann, zögen vielleicht Impulse für ihr eigenes Leben aus dem Ereignis.

Nur 200 Meilen von Willi und Käthe entfernt erleben Jens Holzrichter und seine Freunde der Lüdenscheid-Brighouse-Gesellschaft die Hochzeit. „Wir sind zum Royal Wedding Lunch eingeladen, ganz schick in Gesellschaftskleidung, die Damen mit Hut.“

Olaf Moos

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