Schnurre-Schienen: Zehn Meter Stadtgeschichte

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Der GHV ist dankbar für den Erhalt der Schienenstränge.

Lüdenscheid - Sie sind rund zehn Meter lang und irgendwie unscheinbar. Zwei Schienenstränge, irgendwo beginnend und im Nirgendwo endend. Und doch haben diese Schienen auf dem Parkplatz des Raiffeisenmarktes an der Stelle, an der früher die Tropen-Firma stand, eine historische Bedeutung. Wenn man davor steht, hört man förmlich das Geklapper und Geschnaufe der KAE, wie sie zwei, drei Güterwaggons auf das Nebengleis schiebt.

Als die ersten Planungen für die Errichtung des Raiffeisenmarktes anliefen, las Dr. Arnhild Scholten (Geschichts- und Heimatverein) in den LN davon. Und auch, dass sich auf dem Gelände noch Schienen des Zubringers für die Schnurre befinden. „Erhaltenswert“, dachten die Heimatschützer und nahmen Kontakt mit dem Bauherren auf, der sofort „mit im Boot“ war: „Wenn wir jetzt aberwitzige Baukosten gehabt hätten, wär's vielleicht anders gekommen“, erinnert sich Marius Scholten, geschäftsführender Vorstand Raiffeisen Südwestfalen und zufällig Namensvetter von Arnhild Scholten.

Fünf Jahre habe der Bau des Marktes gedauert, immer wieder habe es neue Bauvorschriften gegeben. Und in all den Jahren lagen die Schienen fein versteckt neben Bergen von Baumaterial auf dem Gelände, weil „Metall ja nun auch gerne mal von Baustellen verschwindet heutzutage“, so Scholten. Auch Jürgen Linnepe (GHV) , der in der Nachbarschaft wohnt, hatte ein sorgsames Auge auf den Schienenstrang. Die historischen Stränge der Schnurre- Bahn überdauerten nicht nur die Zeit, sondern auch den Bau des Marktes und sind inzwischen wieder in den Boden eingelassen.

„Ein bisschen versetzt, aber das ging nicht anders“, weiß Scholten, der sich von Anfang an und sehr zur Freude des Geschichts- und Heimatvereins für den Erhalt einsetzte. Die Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz und Stadtbildpflege des GHV waren bei ihrem Ortstermin zufrieden. Mehr noch. Vor Ort kamen so manche Erinnerungen hoch.

Unscheinbar, und doch ein Stück Industriegeschichte: das Nebengleis der KAE.

„Bei Tropen gab's die KAE nicht mehr. Die war nur bis 1968 in Betrieb“, so Hartmut Waldminghaus, der selbst in der Gegend wohnte und bei Linnepe und Schiffer arbeitete: „Die machten Kochgeschirr aus Aluminium und ab 1955 riesige Kanister für die Bundeswehr. Die wurden dann hier von der Rampe auf die Güterwaggons verladen. Die Lennestraße hoch war das Hauptgleis. Von da aus gingen viele Nebengleise an die Firmen. Nachmittags kam die Lok und holte die Waggons ab. Wir sind damals viel mit der KAE gefahren. Gab ja nichts anderes.“

Ein Stückchen Industriegeschichte ist erhalten geblieben, weil viele wohlwollende Hände geholfen haben. Ein Stückchen Träumen muss nun erlaubt sein: Ein Pult oder eine Tafel mit Erklärungen wären wünschenswert, um Marktbesucher darauf hinzuweisen, mal auf den Boden unter ihren Füßen zu schauen. Besser noch: Ein ausrangierter Güterwaggon auf dem Schienenstrang am Raiffeisenmarkt. Dr. Arnhild Scholten versprach, solche Anregungen mit in die nächste Sitzung des Arbeitskreises zu nehmen.

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