Simon Pearce spielt um die Lüsterklemme"

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Simon Pearce stellte im Wettstreit um die "Lüsterklemme" sein Programm im Kulturhaus vor.

Lüdenscheid - Die „Macht der Worte“, wie der Kabarettist Simon Pearce am Mittwochabend in der Garderobenhalle des Kulturhauses immer wieder wissen ließ, ist groß. Und daran, dass der Kabarettist aus Bayern mit Wurzeln in Nigeria jede Menge Worte hat, ließ er keinen Zweifel.

Der Vater, ein tiefschwarzer Nigerianer, sei ein bayerischer Spießer gewesen, der samstags das Auto wusch, aber halt auch Kaninchen und Hühnern die Köpfe abschlug. Die Mutter, blond und Volksschauspielerin, eher die Revoluzzerin in der Familie. „Allein unter Schwarzen“ nennt Pearce sein Programm, gespickt mit wunderbaren Wortspielen aus seinen Begegnungen mit den bayerischen Mitbewohnern.

Von „Rasta-Fahndung“ war die Rede, vom Grundschulsport „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“, davon, dass mit Blick auf Chicken Wings „wir das Abnagen von Hühnerknochen lieben – der Neger ist ein Nager“.

Pearce stellte seine Kindheit vor, später dann den ewig betrunkenen Kurt vom Werkstoffhof in Puchheim. Nach der eigenen Identität habe er gesucht – für Basketball sei er zu klein, und die Karriere als „Gangsta“ wollte auch nicht so recht gelingen. Da blieb ja nur noch die Richtung „Eddie Murphy“.

Großartig führte der Comedian im nahezu ausverkauften Saal dem Publikum den latenten und offenen Rassismus der Bayern vor Augen und trieb den Gästen damit die Lachtränen in die Augen. Seine Mütze sei eher eine Schutzkappe, weil „jeder immer in die Haare greift“, und statt Burger gab es daheim „Fleischplatzerl“ auf Vollkornbrot. Und im Übrigen sei auch das weltoffene München nur ein Dorf – „denn das Dorf findet im Kopf statt“.

Ohne Zweifel hat sich der charmante „Bayer mit Migrationshintergrund“ einen Medaillenplatz erspielt. Am Donnerstagabend führt Senay Duzcu ihr neues Programm „Hitler war eine Türkin?!“ auf. Sie nimmt nicht nur „typische Migrantenthemen“ ins Visier, sondern greift so ziemlich alle Themen auf, die die Welt bewegen.

Am Freitagabend stellt Piero Masztalerz seinen schwarzen Humor vor und beendet mit seinem Auftritt die Lüdenscheider Kleinkunsttage. Anschließend werden die Stimmkarten ausgewertet.

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