Dieser Mann ist ein erklärter Siegertyp

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Sebastian Pufpaff teilte vor ausverkauftem Kulturhaus aus.

Lüdenscheid – Das Banner „Ausverkauft“ hatte schon einige Tage auf den Plakaten am Kulturhaus geprangt: Was nicht etwa nur den Bühnen- sondern den großen Theatersaal meinte. Offenbar wollten ihn alle sehen, diesen Sebastian Pufpaff, der nicht nur als wichtiger Spaßvogel der ZDF-Heute-Show, sondern auch mit Solo-Programmen das deutsche Fernsehen bereichert.

Das große Interesse speziell in Lüdenscheid mochte ihn entschädigen für eine etwas überraschende Niederlage, die er 2011 beim Wettbewerb um die Lüdenscheider Lüsterklemme erlitten hatte. Benjamin Eisenberg hieß damals der Gewinner. Sebastian Pufpaff entschädigte sich mit dem Spott über den „Elektriker“, der sich diese Trophäe ausgedacht hatte. Nun kam er zurück als ein erklärter Siegertyp. 

„Alles ist grandios. Mir geht’s super!“ Wenn es persönlich so gut läuft, kann man eine Welt in Aufruhr ganz entspannt sehen: „Ich sehe draußen alles nur noch positiv.“ Ein Knöllchen etwa lässt sich problemlos umdeuten: „Ich kauf mir einfach eine andere Geschwindigkeit.“ Dass wir in einem der sichersten Länder der Erde leben, beweise der Verzicht der Bundeswehr auf funktionierendes Equipment. Und warum sollte man das Faktum, dass „Australien brennt“ nicht als „Jahrhundertsommer“ würdigen? 

„Immer muss ich die Welt retten“, lautete seine bittere Klage. „Da hab’ ich überhaupt keinen Bock drauf.“ Sein Psychotherapeut bestärkt ihn in dieser Lebenshaltung: „Lassen Sie den Wahnsinn nicht an sich heran!“ Im Schutz unverkennbar ironischer Sprechweise konnte sich Sebastian Pufpaff suhlen in der Rolle des bösartigen Zynikers, des sexistischen Machos und des vom Schicksal Begünstigten. 

So einer leitet seinen Reichtum und seine privilegierte Stellung hemmungslos aus seinen angeblichen Leistungen ab. Und so einer redet nach dem Blick in den Spiegel gerne von sich selbst: „Da hat aber einer Glück gehabt: Ich bin weiß, hetero, habe Abitur und bin ein Mann.“ Fast hätte er es geschafft, sein Versprechen einzuhalten, an diesem Abend weder Politikernamen, noch Parteien zu nennen. 

Doch um einen kommt man im Zeitalter der Politclowns einfach nicht herum: Es ist „der Präsident mit der Meerschweinchenfrisur“. Nimmt man an, dass ein Faschist aus Thüringen die hehre Bezeichnung „Politiker“ gar nicht verdient, hätte Sebastian Pufpaff seine Ankündigung fast eingehalten. Denn es gab zwei Namen in unmittelbarer Nachbarschaft: „Vielleicht hätte man bei Höckes zuhause auch mal sagen sollen: Es heißt nicht ‘Heil Hitler!’, sondern ‘Guten Morgen!’.“ 

Die Bemerkung deutet schon an, dass die Botschaft nicht nur im Modus der Ironie verkündet wurde. Tatsächlich kam im Laufe eines langen Abends jener Moment, in dem Sebastian Pufpaff vom militant weißen zum selbstkritischen weisen Mann mutierte: „Ich frag’ mich ja auch, warum ich so ein kapitalistisches und sexistisches Dreckschwein bin.“ Ein Appell erreichte das Publikum: „Sie haben alle Möglichkeiten draußen - Sie müssen es nur tun!“ Und eine beeindruckende Portion Optimismus waberte durch den Saal: „Wir Vernünftigen sind weiterhin in der Überzahl!“

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