Ab 7. Juni Prozess gegen jungen Armbrustschützen

LÜDENSCHEID/HAGEN ▪ Am 7. Juni beginnt vor der Jugendkammer des Landgerichts Hagen der Prozess gegen den heute 17-jährigen Lüdenscheider, der Anfang Januar an der Moltkestraße zwei Polizisten mit einer Armbrust angegriffen haben soll. Das bestätigten auf Anfrage unserer Zeitung jetzt die Staatsanwaltschaft Hagen und Verteidiger Frank Peter Rüggeberg.

Die Anklage lautet auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung. Die Höchststrafe dafür liegt für Minderjährige bei zehn Jahren Haft. Nach einer dreiwöchigen Pause soll der zweite von insgesamt sechs angesetzten Hauptverhandlungstagen folgen, die allesamt unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, wie es bei Verfahren gegen Jugendliche üblich ist. Der erste Prozesstag musste jedoch Anfang Juni angesetzt werden, da ansonsten die Halbjahresfrist zwischen Festnahme und Verhandlungsauftakt verstrichen wäre. Dann hätte man den jungen Lüdenscheider zwischenzeitlich auf freien Fuß setzen müssen. Wie berichtet, sitzt der zur Tatzeit 16-Jährige seit seiner Verhaftung durch die beiden Polizeibeamten in Untersuchungshaft in Iserlohn.

Dort, erklärte Rechtsanwalt Rüggeberg, sei der allein untergebrachte Jugendliche durch einen Psychologen der Vollzugsanstalt und einen Psychiater der Hans-Prinzhorn-Klinik vorbildlich betreut und stabilisiert worden. Dies, nachdem sich unmittelbar nach dem Geschehen an der Moltkestraße in erreichbarer Nähe keine geschlossene Psychiatrie für Jugendliche gefunden habe. Auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lüdenscheid habe die Aufnahme des Jungen abgelehnt, da man wegen dieses Patienten die offene Einrichtung sonst für alle anderen hätte abschließen müssen.

Wie Frank Peter Rüggeberg auf Nachfrage weiter erklärte, habe keiner der beiden eingesetzten Gutachter eine Schuldunfähigkeit seines Mandanten attestiert. Allerdings gebe es unterschiedliche Auffassungen zu einer verminderten Schuldfähigkeit durch Depressionen bis zur Suizidgefährdung. So berücksichtige ein Sachverständiger die Möglichkeit, dass sich der junge Mann nach dem Muster der aus den USA bekannten „Suicide-Cop“-Methode von den Polizisten habe erschießen lassen wollen. Der andere Experte habe dieses Phänomen dagegen nicht in seine Bewertung aufgenommen.

Nicht in der Anklageschrift aufgeführt seien anfängliche Vorwürfe, wonach der Junge mit den Schusswaffen der Polizeibeamten einen Amoklauf unternehmen wollte. Auch die angeblichen Sprengfallen in der Wohnung habe es so nicht gegeben.

Der Beschuldigte soll am Tatabend eine Polizeistreife wegen Partylärms an die Moltkestraße gerufen und die eintreffenden Beamten unter anderem mit Armbrust-Pfeilen attackiert haben.

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