Ein See und sein mörderisches Geheimnis

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Das Ensemble des Jungen Theaters zeigte "Löcher - Das Geheimnis von Green Lake".

Lüdenscheid – Wenn das Nachwuchs-Ensemble des Jungen Theaters Bonn in Lüdenscheid gastiert, haben die Inszenierungen etwas Besonderes. Nicht, dass man sich in Bonn ausschließlich die „Sahnehäubchen“ unter den Inszenierungen für Jugendliche aussucht oder etwa ein besonders glückliches Händchen bei der Suche nach Theaternachwuchs beweist – was die Nähe zum zumeist eher theaterunerfahrenen Publikum ausmacht, ist das Alter der Schauspieler.

Zum Beispiel Lamine Timera, der am  Mittwochvormittag bei der Aufführung „Löcher – das Geheimnis von Green Lake“ den „Zero“ gab. Er ist gerade mal 13 Jahre alt und gehört zu den jüngsten Schauspielern im Ensemble. Damit verschafft er sich ohne Zweifel den Respekt bei den Gleichaltrigen im Saal, aber auch den der erwachsenen Begleiter, überwiegend Lüdenscheider Lehrer, die mit ihren Klassen die Chance nutzten, die Inszenierung in den Schulstoff mit einzubauen.

Rund 280 Schüler füllten den großen Theatersaal nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit einer enormen Geräuschkulisse – auch ein Theaterbesuch will gelernt sein. Nach einer guten Viertelstunde Spielzeit ebbten die Nebengeräusche allmählich ab, gingen auch die letzten Schülerhandys aus, und die Besucher begannen zaghaft, sich auf die Geschichte des jungen Stanley Yelnats einzulassen, ein Pechvogel, wie er im Buche (von Autor Louis Sachar) steht.

Die Inszenierung lag in den Händen von Moritz Seibert. Nach eigenen Angaben hatte das JTB das Stück für Zuschauer ab 12 Jahren aufgelegt, gleichwohl die verschiedenen zeitlichen Ebenen den jungen Gästen jede Menge Aufmerksamkeit abverlangten, wollte man nicht den Faden verlieren. „Das Graben dient nur dazu, den Charakter zu formen“, so der Aufseher im Camp Green Lake, das überhaupt nicht so grün ist, wie sich Stanley seinen Aufenthalt dort vorgestellt hat.

„Green Lake“ ist ein Erziehungscamp auf dem Grund eines ausgetrockneten Sees, mitten im Nirgendwo einer Wüste. Die dorthin verbannten jugendlichen Verbrecher müssen Löcher graben, 1,50 mal 1,50 Meter und eins pro Tag.

Stanley findet am Ende seiner Graberei Schräges über seine Familiengeschichte und deren Verbindung zu Kissing Kate Barlow heraus und wird zum Lebensretter für den kleinen Zero. Für die Zuschauer gut nachvollziehbar wechselten die Schauspieler die Rollen zwischen Gegenwart und Vergangenheit mitten auf der Bühne. Gedankliche und faktische Umbauphasen fanden im Dämmerlicht statt. Dass das Ensemble an vielen Stellen zu leise war, ist verzeihbar. Da macht die Übung den Meister.

Die Bonner spielten mit viel Elan und Beweglichkeit auf und zeigte einmal mehr, dass das Junge Theater seinen Ruf als eines der erfolgreichsten deutschen Jugendtheater zu Recht hat.

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