Viel Musik auf wenig Raum

+
Marco, Axel, Natascha, Hannah, Nicolas, Schlagzeug, Piano, Trompete, Mikros, Lautsprecher, Scheinwerfer – es ist eng im „Proberaum“.

Lüdenscheid - Eigentlich ist an dem Zimmer von Nicolas Leitgeb nichts Besonderes. Schreibtisch, Schrankwand, Dachschräge, ein großer Fernseher, Computeranlage, Schlafgelegenheit. Ein typisches Studenten-Zimmer im Dachgeschoss des elterlichen Hauses. Wenn man allerdings – quasi zum falschen Zeitpunkt – zu Besuch ist, muss man acht geben.

Dass man nicht als erstes Marco und sein Schlagzeug über den Haufen rennt, anschließend gegen Axels Keyboard rempelt, um danach über Boxen zu stolpern und am Ende Hannah und Natascha ins Mikrofon zu fallen.

Zwölf Quadratmeter Platz, die gefühlt auf vier zusammenschrumpfen, wenn die Formation iJazz probt. „Anziehsachen werden sowieso überbewertet“, sagt Nicolas augenzwinkernd. Die Mikrofone verstaut er im eigenen Kleiderschrank. Das Schlagzeug steht im Zimmer seines Bruder Dominic, der zwar an diesem Abend nicht dabei ist, aber sonst in Dresden studiert und damit zwangsweise den Raum fürs Schlagzeug zur Verfügung stellt: „Die Boxen räum ich in das Zimmer meiner Schwester. Die will schon Raummiete sehen. Das Piano schlepp ich von meiner Oma hier her.“ Wenn eine Probe angesetzt ist, werden aus allen Räumen die Instrumente zusammengetragen. Dann wird’s schnell eng und kuschelig zwischen Scheinwerfern und Musik.

Eine junge Band und eindeutig auf dem Weg nach oben. Und eine Band, die das Problem vieler Formationen hat: „Wir brauchen dringend einen Proberaum. Das geht so nicht mehr. Wir müssen jedesmal auf- und abbauen“, ist dem Frontmann von iJazz bewusst, dass mit dem wachsenden Erfolg der Formation dieser Probe-Zustand kaum noch tragbar ist. Einmal die Woche tragen die jungen Musiker ihre Instrumente zusammen und proben. Wenn Auftritte wie der am Sonntag beim Stadtfest anstehen, proben sie häufiger. Mutter Leitgeb steht plötzlich in der Tür, möchte das Lied hören, was Hannah gerade angestimmt hat. In den Raum selbst passt sie nicht mehr.

„Wir hatten einen Proberaum“, erinnert sich Nicolas Leitgeb an die Räumlichkeit im Keller irgendwo in Lüdenscheid-Nord. Aber dann kamen verschärfte Brandschutzvorschriften, und die Band musste den Raum aufgeben. Seit 2012 wird nun im elterlichen Haus geprobt. 20 Quadratmeter wären schön, sagen die Musiker, und ein freien Zugang. Sie sind Studenten und proben auch schon mal bis in die tiefe Nacht hinein. Dämmung könnten sie selbst machen, aber teuer darf’s halt nicht sein: „Wir verdienen mit unserer Musik nicht so viel.“ Die sporadische Gage würden sie gern behalten und sich über den Lohn für die Mühen freuen.

Wer helfen kann, rennt im Hause Leitgeb offene Türen ein. Der Kontakt ist unter kontakt@ijazz.info möglich, unter www.ijazz.info oder facebook.de/iJazz.mk. Zu hören sind die jungen Leute am Stadtfestsonntag ab 13.45 Uhr auf der Kult-Bühne am Extrablatt. - Jutta Rudewig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare