512 junge Fahrer ohne Führerschein

LÜDENSCHEID ▪ Hunderte von Führerschein-Neulingen in Lüdenscheid und Umgebung fahren derzeit mit provisorischen Papieren statt ihrer frisch erworbenen „Pappe“ im Scheckkartenformat durch die Gegend. Der Grund: Bislang unbekannte Übeltäter haben dem TÜV Nord am Grebbecker Weg 512 fertig ausgestellte Führerscheine geklaut. Erst in zwei bis drei Wochen wird die Bundesdruckerei für Nachschub sorgen.

Der Einbruch liegt bereits drei Wochen zurück. Die Polizei hatte am 16. Juli den Diebstahl eines kompletten Tresors gemeldet, sprach über den Inhalt aber lediglich von „amtlichen Dokumenten“ – und einem Sachschaden von 300 Euro, den die Täter durch das Aufhebeln einer Seitentür verursacht hatten.

Tatsächlich lagerten in dem Tresor Unterlagen von mehr als 1000 Führerscheinbewerbern. Das bestätigte gestern der stellvertretende Regionalleiter des TÜV Nord, Friedhelm Althoff, im LN-Gespräch.

Papiere mit persönlichen Daten und fertig bedruckte Führerscheine von Prüflingen waren vom Straßenverkehrsamt des Märkischen Kreises an den TÜV geschickt worden. Die Fahrprüfer „bedienen“ sich im Normalfall an dem Tresor, nehmen die Prüfung ab und händigen dem Absolventen die begehrte Karte aus. Sofern sie nicht geklaut ist. So passierte es zum Beispiel der gerade 18 Jahre alt gewordenen Lüdenscheiderin Swenja-Noomi Padur. Deren Papa Wolfgang hat den Führerschein fürs Töchterchen vorgestern morgen beim TÜV abholen wollen und dabei „so nebenbei“ von dem Diebstahl erfahren, wie er sagt. „Meines Wissens wurde niemand vom TÜV oder vom Kreis informiert.“

Das stellt Friedhelm Althoff in Abrede. „Unsere Prüfer unterrichten die Bewerber direkt nach der Prüfung darüber, dass der Führerschein wegen des Einbruchs nicht ausgehändigt werden kann.“ Stattdessen gibt es eine Prüfbescheinigung.

Das macht für die jungen Leute einen weiteren Behördengang nötig. Bevor sie sich nämlich selbstständig ans Steuer setzen können, müssen sie zum Straßenverkehrsamt, die Prüfbescheinigung vorlegen und ein vorläufiges Dokument beantragen. Marco Borlinghaus, stellvertretender Leiter des Bürgerbüros im Kreishaus, erklärt dazu: „Das geht recht schnell, und wir erheben dafür keine Gebühren.“ Den Nutzwert der Führerscheine für Diebe bezeichnet Borlinghaus als „relativ gering“. „Eventuell könnte man unter Vorlage des gestohlenen Führerscheins einen Leihwagen nehmen und nicht zurückbringen.“

Ein paar der Führerschein-Neulinge haben übrigens kürzere Wartezeiten. In einem Wald bei Drolshagen sind laut Friedhelm Althoff 13 der geklauten Führerscheine gefunden worden. Hinweise an die Polizei unter Tel. 90 99-0.

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