Junge Bühne zeigt Goldonis „Diener zweier Herren“

Die Junge Bühne Lüdenscheid zeigte am Abend Goldonis „Diener zweier Herren„ im Kulturhaus.

LÜDENSCHEID - „Wir waren vorher die Theatergruppe vom Zepp. Aber wir sind viel mehr als nur Zepp-Schüler, und manche sind auch gar keine Schüler mehr. Das wurde unserer Gruppe nicht mehr gerecht. Wir legen aber Wert darauf, zu sagen, dass es keinen Groll gibt oder sowas. Und jede Schule ist herzlich eingeladen, uns zu unterstützen.“

Christian Westphal war es am Abend im Kulturhaus ein Anliegen, aufzuklären, was sich viele in den letzten Wochen gefragt haben: Warum heißt die Theatergruppe unter der versierten Leitung von Christel Brandts, die in den vergangenen Jahrzehnten für so viele umjubelte Aufführungen an gleicher Stelle sorgte, nun plötzlich Junge Bühne Lüdenscheid?

Voran gegangen war einmal mehr eine mit viel Beifall bedachte Aufführung. Diesmal hatten sich Christel Brandts und ihre jungen Schauspielerinnen und Schauspieler Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ vorgenommen, eine Komödie in zwei Aufzügen, die 1746 in Mailand uraufgeführt wurde und als Höhepunkt der Commedia dell’arte gilt. Gleich zu Beginn erläuterte die Regisseurin selbst vor nahezu ausverkauftem Haus die Commedia dell’arte, in der professionelle Wandertheatergruppen vornehmlich in Venedig italienische Volkskomödien zeigten. „Kommen Sie also mit nach Venedig, in die Stadt der Sonne“, lud Christel Brandts das Publikum ein.

Das 13-köpfige Ensemble zeigte anschließend die Geschichte des ständig hungrigen Dieners Truffaldino (Stephan Westphal), dem sein magerer Verdienst nicht reicht und der seine Dienste zeitgleich einem anderen Herrn anbietet. Da beide Herren im gleichen Gasthaus absteigen, einer von ihnen gar eine als Mann verkleidete Frau (Flavia Voß) ist und beide ein im Grunde verhindertes Liebespaar sind, sorgen Truffaldinos „Dienste“ für jede Menge Wirrungen.

Aufgepeppt mit italienischen Schlagern von „O sole mio“ bis „Santa Lucia“ und gespickt mit komödiantischen Elementen sorgte das Ensemble für einen amüsanten Abend. So wurden die venezianischen Gondoliere durch eine Angel dargestellt, an deren Ende eine „Zwergen-Gondola“ hing, und durch das liebevoll gestaltete Bühnenbild floss gar echtes Wasser, in dem Truffaldino seinen Fuß badete.

Vor allem im zweiten Aufzug kam Schlitzohr Truffaldino in seiner dienenden Doppelrolle zur Freude des Publikums ordentlich ins Schwitzen, musste er doch beiden „Herren“ zur gleichen Zeit mit einem umfangreichen Menü bedienen. Und amüsant auch die Nebenrolle Frederik Cardinal von Widderns als Doktor Lombardi. Am Ende bekam jeder Suchende die passende Angebete, und selbst der „Diener zweier Herren“ ging nicht leer aus. Carlo Goldoni hätte an der Darstellung sicher seine Freude gehabt. - rudi

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