Jugendschöffen verurteilen gewaltbereite Kriminelle

Lüdenscheid - Es geht ihnen vorzugsweise um Handys. Möglichst neuwertig, damit man sie gut verkaufen kann. Und sie sind bereit, dafür wehrlose Opfer zu erpressen, zu schlagen und zu treten. Das Jugendschöffengericht hat dafür jetzt drei Kriminelle und einen Mitläufer verurteilt.

Von Olaf Moos

Die Angeklagten sind 15, 16, 18 und 19 Jahre alt. Der Jüngste unter ihnen hat noch keine einzige Vorstrafe im Register. Trotzdem führt ihn die Polizei längst in der Liste der Intensivtäter. 60 Straftaten von ihm sind bei der Staatsanwaltschaft aufgelaufen, bevor er überhaupt strafmündig war, also jünger als 14. Der Älteste der Angeklagten wurde erst Anfang September wegen räuberischen Diebstahls, Körperverletzung, Nötigung und Hehlerei zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Auch hier ging es um den Raub eines Handys.

Angesichts der elf Anklagen, die 20 Verbrechen umfassen, mit unterschiedlicher Tatbeteiligung, an verschiedenen Orten und mit immer neuen Opfern – angesichts der Fülle von „ganz gravierenden Straftaten“, wie die Staatsanwältin sagt, droht das Jugendschöffengericht zwischenzeitlich den Überblick zu verlieren.

Ein Junge wird auf dem Schulweg um sein Geld gebracht und gezwungen, noch mehr zu besorgen und es abzugeben. Im Forum am Sternplatz nehmen drei der Kriminellen einem 15-Jährigen das Mobiltelefon ab. Vor der Skaterhalle am Jahnplatz wird ein weiterer Junge um sein Handy gebracht. Mit Drohungen, Schlägen und Tritten erpressen zwei der Täter auf dem Klo der Berufsschule 30 Euro. Der Jüngste will eines seiner Opfer zwingen, eine Strafanzeige zurückzunehmen. Auf dem Hof der Friedensschule verdrischt er zwei Jungen – unter anderem denjenigen, der jetzt als kleiner Mitläufer neben ihm auf der Anklagebank sitzt. Ein halbes Jahr lang legen die Täter eine ganze Serie hin.

Die Tatmotive liegen auf der Hand. Der 18-Jährige, wie zwei seiner Komplizen unter „höchst ungünstigen Bedingungen aufgewachsen“, so die Anklägerin, beschreibt die Beweggründe einer räuberischen Erpressung. „Ich war eifersüchtig. Der Typ hatte alles, Ausbildung, Familie, Geld, und ich hatte nix.“ Die Mutter eines Opfers berichtet am Rande des Prozesses: „Mein Sohn hat immer noch Angst, allein rauszugehen oder mit dem Bus zu fahren.“ Sein Peiniger brüstet sich: „Viele in der Stadt kennen mich.“ Er hat sich einen Namen gemacht. Der 15-Jährige wird gefragt, ob er sich bei seinen Opfern entschuldigen will. „Nee, will ich nicht!“ Seine Mittäter geloben Besserung. Einer will jetzt endlich zur Schule gehen, ein anderer hat seit kurzem einen Ausbildungsplatz.

Die Staatsanwältin beantragt Strafen, die Verteidiger Holthaus, Löber und Luckas sind einverstanden. Nur Rechtsanwalt Holger Becher will einen Freispruch für seinen Mandanten, den eher passiven Mitläufer. Je 20 Monate mit Bewährung gibt es für die beiden Älteren, der Jüngste kassiert zwei Wochen Dauerarrest und 130 Sozialstunden. Bechers Mandant muss 60 Stunden leisten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare