Jugendsinfonieorchester zeigt Musikgeschichte im Kulturhaus

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Xavier Larsson Paez, aktueller Stipendiat der Märkischen Kulturkonferenz, spielte gemeinsam mit dem MJO.

Lüdenscheid - Stummfilm mit Orchesterbegleitung – dieser Klassiker der Musikgeschichte war dank des Auftrittes des Märkischen Jugendsinfonieorchesters (MJO) im Kulturhaus zu bewundern. Der Star auf der Leinwand hieß Pacific 231.

In Szene gesetzt hatte Regisseur Jean Mitry die Schnellzuglokomotive aus Nordamerika mit der Achsfolge 2-3-1.

Die Musik zu dem Film lieferte schon 1949 der Schweizerische Eisenbahnenthusiast Arthur Honegger mit seinem Pacific 231– einem Klassiker der musikalischen Moderne. Und es war schon großartig, was das Jugendorchester aus diesem durchaus schwierigen Werk mit seinen Beschleunigungen und Verlangsamungen machte. Immer schneller werdend folgten die Streicher lautmalerisch dem Lauf der Beschleunigung des Ungetüms, Maschinenklänge traten hinzu, Pfeifen, Zischen und ein bisschen Chaos in dem ganzen „Maschinen“-Lärm. Und doch rundete sich das Ganze zu einem beeindruckenden Stück Musik, wie sie noch im 19. Jahrhundert kaum denkbar gewesen wäre.

Stephan Quandel, Sprecher und Moderator des MJO, kündigte das gemeinsame Ziel von Film und Orchester an: „Wenn alles gut geht, werden Musik und Film am Ende gleichzeitig wieder zum Stillstand kommen“ – mit einem gemeinsamen Schnaufer. „Unter Dampf“ lautete der Titel des Konzertes, das die jungen Mitglieder des MJO während einer gut einwöchigen Probenphase in der Jugendherberge Nottuln unter der Leitung von Thomas Grote und weiterer Begleiter für die einzelnen Instrumentengruppen einstudierten. Immer auf’s Neue ist es verblüffend, auf welch hohem Niveau sich der Klangkörper nach diesen Probenphasen an mehreren Orten präsentiert. So auch im Kulturhaus, wo das Orchester den Abend mit einem Musikstück aus dem Dampfzeitalter eröffnet hatte: Der deutsche Opernkomponist Giacomo Meyerbeer schrieb die „Festouvertüre im Marschstyl zur Eröffnungsfeier der Industrie-Ausstellung in London 1862“ die mit einem Zitat von Thomas Augustine Arnes patriotischem „Rule, Britannia“ ausklang – unverzichtbarer Bestandteil einer jeden urbritischen „Last Night of the Proms“.

Bewunderung für seine entwickelte Spieltechnik erntete anschließend Xavier Larsson Paez, Stipendiat der Märkischen Kulturkonferenz, als Solist in Alexander Glasunows „Konzert für Alt-Saxophon und Streichorchester“. Das Werk – eine Mischung aus lyrischen Passagen, in denen das Saxophon zu singen scheint, und melodischen „Ballspielen“ zwischen Saxophon und dem Orchester machte Freude. Xavier Larsson Paez bedankte sich für den stürmischen Applaus mit Pedro Iturraldes „Pequena Czarda“. Einen Dank hatte er zuvor auch an die Märkische Kulturkonferenz gerichtet: „Das Stipendium hat mir sehr geholfen.“

Stephan Quandel führte schließlich mit dem Text von Benjamin Britten durch dessen „Young Person’s Guide to the Orchestra“, einer guten Gelegenheit für die Instrumentengruppen des MJO, sich einzeln zu präsentieren. Schlank und zart kam Henry Purcells schöne Abdelazer-Suite daher, kraftvoll Brittens Bearbeitung für das ganze Orchester. Für den wahrlich stürmischen Beifall bedankte sich die jungen Musiker mit Edward Elgars Marsch Nummer 4 aus dem Zyklus „Pomp and Circumstance“.

Das nächste Programm führt das MJO nach Tschechien: „Böhmische Knödel“ werden Anfang Januar in Meinerzhagen, Werdohl und Iserlohn erklingen. Landrat Thomas Gemke kündigte in seinem Grußwort zudem an, dass das MJO 2017 zum Jubiläum der Partnerschaft des Märkischen Kreises mit dem Elbe-Elster-Kreis an die Elbe reisen werde.

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