Fund in Ramschkiste

Jugendliche täuschen Millionen: Ufo-Forscher aus MK enträtseln berühmten Ufo-Fall

Ufo über Fehrenbach. GEP Lüdenscheid.
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Ufo über Fehrenbach, GEP Lüdenscheid.

Eine vermeintliche Ufo-Sichtung im thüringischen Fehrenbach Anfang der 1990er-Jahre machte weltweit Schlagzeilen. Erst die Ufo-Forscher aus Lüdenscheid lösten das Rätsel um die fliegende Untertasse. Was war passiert?

Ein älterer Mann hatte der örtlichen Zeitung Polaroid-Fotos seines Enkels vorgelegt, die ein Ufo über Fehrenbach zeigten. Der 14-jährige Enkel gab an, gemeinsam mit einem gleichaltrigen Schulfreund am frühen Morgen des 25. Oktober 1994 im Garten seines Elternhauses das Objekt über mehrere Minuten beobachtet zu haben. Es habe einen Durchmesser von acht Metern gehabt. Das Ufo sei schneller als ein Flugzeug geflogen und von Punkt zu Punkt gesprungen. Zum Beweis legten sie sieben Polaroid-Aufnahmen vor.

Die Ufo-Sichtung über Thüringen war eine Sensation. Nach dem ersten Artikel in der Lokalzeitung griffen Dutzende Medien und Fernsehsender die Geschichte auf. Renommierte Ufo-Forscher untersuchten die Fotos und kamen zu dem Ergebnis, dass es keine Widersprüche zur Aussage der Kinder gebe. Sogar die Größe des Objekts bestätigten die Ufo-Gläubigen. Für sie war es der endgültige Beweis, nach dem sie so lange gesucht hatten.

Bei den Ufo-Forschern in Lüdenscheid wollte dagegen so recht keine Euphorie aufkommen. In den mehr als 20 Jahren ihres Bestehens hatte die Gesellschaft zur Erforschung des Ufo-Phänomens (GEP) noch fast jede Sichtung unbekannter Flugobjekte mit einer irdischen Erklärung entzaubert. Und auch jetzt plagten Hans-Werner Peiniger Zweifel.

Da war zum einen die Dokumentation „Ufos – und es gibt sie doch“, die am Vorabend des 25. Oktober 1994 in der ARD lief. Dass ausgerechnet zwei Jugendliche am nächsten Tag ein Ufo in Thüringen entdecken, war dem erfahrenen Ufo-Forscher allzu verdächtig. Die Fotos selbst waren nicht gefälscht. Was also konnten die 14-Jährigen hier fotografiert haben? Peiniger machte sich in den Spielzeugläden seiner Heimat auf die Suche. Zunächst ohne Erfolg.

Doch dann entdeckte er in einem Möbel-Geschäft in Kierspe in einer Ramschkiste etwas verdächtig Bekanntes: Zwölf Zentimeter Durchmesser, acht Zentimeter hoch, 125 Gramm schwer – es war der „Robo-Saucer“ der Firma Hinstar aus der Serie „Galaxy Space Pocket“, die in Deutschland von der Firma Simba Toys vertrieben wurde. Als die GEP-Mitglieder das Spielzeug mit den Aufnahmen aus Thüringen verglichen, flog der Schwindel auf.

Höchst irdisch: Hans-Werner Peiniger mit einem Robo-Saucer der Firma Simba Toys.

Peiniger sprach kurz darauf mit einem der Jugendlichen am Telefon. Nach einigem Herumdrucksen gab er zu, dass das besagte Modell für die Aufnahmen in die Luft geworfen worden war. Für weitere Polaroid-Bilder wurde der Robo-Saucer an einem Faden befestigt. Als immer mehr Medien berichteten, hätten sich sein Freund und er nicht mehr getraut, den Jungenstreich zuzugeben, der eigentlich nur dem Opa galt.

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