323 Jugendliche suchen noch nach einer Ausbildung

LÜDENSCHEID ▪ 668 Ausbildungsstellen meldeten Betriebe in Lüdenscheid, Halver und Schalksmühle im laufenden Ausbildungsjahr, also seit dem 1. Oktober 2012. In derselben Zeit gab es hier 648 junge Bewerber.

Theoretisch müsste also im Bereich der heimischen Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit jeder junge Mensch einen Platz erhalten. Doch in der Praxis sieht das ganz anders aus: Aktuell sind noch 323 Bewerber „unversorgt“, und das bei nur noch 189 freien Lehrstellen.

Somit gehen mindestens 134 heimische Bewerber aus diesem Ausbildungsjahr in ihrem Heimatort leer aus, auch wenn bis zum Ausbildungsbeginn im Oktober noch alle freien Stellen besetzt werden könnten. Wie das bei einem Ausgangs-Verhältnis von fast 1:1 bei Stellen und Bewerbern zusammenpasst, erklärte die Hauptstelle der Agentur für Arbeit in Iserlohn gestern so: Zum einen könnten Arbeitgeber ihre Lehrstellen-Angebote wieder zurückziehen, wenn sie etwa über längere Zeit keine geeigneten Kandidaten gefunden haben und es erst im nächsten Jahr wieder versuchen wollen. Ein weiterer Faktor seien auswärtige Bewerber, die heimischen Jugendlichen die Ausbildungsplätze am Ort wegschnappten.

Größte Lehrstellenanbieter in und um Lüdenscheid waren auch diesmal mit 229 Stellen die gewerblich-technischen Betriebe, gefolgt von Verwaltungsberufen (142) und dem kaufmännischen Bereich mit Handel, Dienstleistern, Vertrieb und Tourismus (120).

Angesichts des schon heute vielfach beklagten Fachkräftemangels, der mit den kommenden geburtenschwachen Jahrgängen erst noch voll durchschlagen soll, fragte unsere Zeitung auch nach Anbietern, die jetzt über Bedarf ausbilden, wie zuletzt die Stadt Lüdenscheid. Doch in der Wirtschaft ist dieser Trend laut der Agentur „noch nicht erkennbar“.

Die große Besonderheit dieses Ausbildungsjahres ist der doppelte Abiturjahrgang. Der allerdings schlägt sich derzeit nicht so negativ nieder wie befürchtet: 441 Bewerber mit Allgemeiner Hochschulreife meldeten sich bisher in der Lüdenscheider Agentur, etwa zu Beratungsgesprächen. Von ihnen sind noch 155 unversorgt. Im Vorjahr waren es um diese Zeit von 364 gemeldeten Abiturienten noch 96, die weder Studienplatz noch Lehrstelle ergattert hatten.

Indes zeigen Umfragen, dass viele Abiturienten jetzt der großen Konkurrenz ganz ausweichen, indem sie einen Auslandsaufenthalt, ein Soziales Jahr oder eine Au-pair-Tätigkeit einschieben. Damit wird die Bewerber-Welle im Moment zwar kleiner, zugleich ist das Problem des Unterkommens für viele nur vertagt.

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