Lüdenscheider Gespräch über den Preußenkönig

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Jürgen Luh stellte den Preußenkönig vor.

Lüdenscheid - Einen „ausgesprochen kurzweiligen Vortrag“ attestierte Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch dem Referenten Jürgen Luh im Violetten Saal des Kulturhauses. Und so war es: Luh, Historiker bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, lernte Friedrich den Großen bei der Vorbereitung der Ausstellung „Friederisiko“ zum 300. Geburtstag des Monarchen sehr gut kennen. Und er gab dieses Wissen bereitwillig und sehr anschaulich an das Publikum des jüngsten Lüdenscheider Gesprächs weiter: „Wir beschäftigen uns anders mit Friedrich II. als zuvor.“ Das Fazit: Der Preußenkönig „wollte Ruhm und Nachruhm erwerben, er wollte ‚der Große’ werden“.

Das Besondere daran war, dass Friedrich diesen Ruhm auf sehr verschiedenen Feldern zu erringen suchte: Auf dem Schlachtfeld mit Vorbildern wie Cäsar, Scipio Africanus und Alexander dem Großen, auf dem Gebiet der poetischen und philosophischen Schriftstellerei mit Homer, Marc Aurel und Voltaire als Begleitern sowie als Mäzen, der Wissenschaft und schöne Künste förderte. „Friedrich sah sich als Schutzherr des freien Geistes und der freien Rede. Er stellte die Philosophie über die Theologie“, bewegte sich Jürgen Luh auf dem Boden dessen, was gerne als Vermächtnis des Preußenkönigs betrachtet wird. Doch dessen Größe hatte Grenzen: Wichtige Wissenschaftler verließen seinen Hof, Friedrich opponierte gegen die Aufnahme von Lessing in die Berliner Akademie und ließ sich die kalkulierten Schmeicheleien Voltaires gefallen, der seine Rolle verstand: „Ihre Reputation ist mir ebenso wichtig wie Ihnen“, ließ der Philosoph den König wissen.

Jürgen Luh zeichnete das Portrait eines bedeutenden Mannes, um den es trotz aller gepflegten Tafelrunden mit viel älteren Männern einsam war. Eine Nachfrage gab Gelegenheit, neu entdeckten Qualitäten Friedrichs etwas abzugewinnen. „Hartnäckigkeit, Ehrgeiz, Eigensinn – - das ist nötig, wenn man etwas erreichen will“, antwortete der Historiker auf eine Frage und Bitte von Alhard Graf von dem Bussche-Kessell: „Können Sie nicht noch irgendetwas Gutes über Friedrich sagen?“ Doch der Eindruck, der dieser Nachfrage zugrunde lag, war wohl eher ein Missverständnis. Eine Besucherin wandelte auf der Spur der verlorengegangenen Sparsamkeit in Potsdam und erinnerte an die zu teuren Tabaksdosen gewordenen Steuern aus dem Märkischen Land. Und Jürgen Luh rechnete: „12000 Taler für eine Tabaksdose – das sind zwei bis drei brandenburgische Dörfer“ - oder sauerländische. - thk

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