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Joya Vrieling und Töns Krähahn lernen bei der Feuerwehr

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Von: Monika Salzmann

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Britta Schmale (links), die für die Ausbildung im Rettungsdienst verantwortlich ist, überwacht das Einführen eines LTS-Tubus als Hilfsmittel zur Atemsicherung im Notfall. Noch übt Joya Vrieling mit Simulationspuppen, später werden es Menschen in Not sein.
Britta Schmale (links), die für die Ausbildung im Rettungsdienst verantwortlich ist, überwacht das Einführen eines LTS-Tubus als Hilfsmittel zur Atemsicherung im Notfall. Noch übt Joya Vrieling mit Simulationspuppen, später hilft sie Menschen in Not. © Jakob Salzmann

Physische und psychische Belastbarkeit und Empathie sind Voraussetzungen für den Beruf. Ebenso Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein.

Lüdenscheid -Seit Oktober vergangenen Jahres bietet die Feuerwehr Lüdenscheid als anerkannte Lehrrettungswache (externen) Nachwuchskräften eine Ausbildung zum Notfallsanitäter an.

Joya Vrieling und Töns Krähahn sind die ersten beiden Azubis, die in Lüdenscheid die höchste nicht-akademische Ausbildung in der Notfallrettung durchlaufen. Der Weg dorthin war für sie nicht einfach. Unter 119 Bewerbern wählte die Feuerwehr die 20-jährige Lüdenscheiderin und den 21-jährigen Werdohler als Auszubildende aus.

Auf sportliche Fitness legte die Feuerwehr Lüdenscheid bei der Auswahl Wert, dazu auf mindestens „ausreichende“ Noten in Mathematik und Deutsch. Mathematik sei wichtig, um später bis zum Beginn einer ärztlichen Versorgung beispielsweise die richtige Dosierung erlaubter Medikamente berechnen zu können.

In den medizinischen Bereich wollte Joya Vrieling schon, bevor sie sich für ihre Ausbildung zur Notfallsanitäterin beworben hatte. Auslöser, sich schließlich bei der Feuerwehr zu bewerben, war der Großbrand einer Scheune am Vogelberg. Bei dem Einsatz im Januar 2021 hatten Heuballen in dem historischen Gebäude Feuer gefangen. Alle fünf Löschzüge der ehrenamtlichen Feuerwehr sowie der Löschzug der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache befanden sich damals stundenlang im Einsatz. Ein beeindruckendes Ereignis für Joya Vrieling. „Da will ich hin“, habe sie anschließend gedacht. „Das ist zu einer Herzenssache geworden.“

Ausbildung „nach Bedarf“

Töns Krähahn interessierte sich indes von klein auf für die Polizei, Feuerwehr und das Rettungswesen. Aus diesem Grund nahm er zunächst ein Studium bei der Polizei auf. „Ich habe aber bemerkt, dass das Studium für mich zu wenig Praxisbezug hatte.“

Diesen Praxisbezug, der ihm fehlte, hat er stattdessen in der Notfallsanitäter-Ausbildung gefunden, die sich in Blöcken gegliedert auf drei Bereiche verteilt. Viel Abwechslung bringen die praktische Ausbildung an der Feuer- und Rettungswache Lüdenscheid und am Klinikum Hellersen sowie die Theorie an der Rettungsdienstschule AGewiS (Akademie Gesundheitswirtschaft und Senioren) in Gummersbach in die Ausbildung.

„Wir bilden nach Bedarf aus“, erklärt Britta Schmale, die bei der Feuerwehr Lüdenscheid Sachgebietsleiterin Praxisanleitung und für die Ausbildung im Rettungsdienst verantwortlich ist. Ziel sei es, die Auszubildenden zu übernehmen und ihnen auch im Brandschutz Perspektiven zu eröffnen.

Joya Vrieling und Töns Krähahn sind entschlossen, diese Möglichkeit zu nutzen und fester Teil der großen Feuerwehr-Familie zu werden. „Wir haben die Wache ja schon kennengelernt.“ Schon jetzt seien beide fest einer Wachabteilung zugeordnet und fühlten sich wohl im Kreis der Kollegen. „Ein gutes Verhältnis zu den Azubis ist uns wichtig“, sagt Britta Schmale. Nur so könne ein Zugehörigkeitsgefühl entstehen.

Für „alles, was im täglichen Leben passieren kann“, werden Joya Vrieling und Töns Krähahn geschult. In der Rettungsdienstschule lernen sie, Notfallsituationen wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bei Menschen zu erkennen und zu bewerten, medizinische Erstversorgung zu leisten, Patienten zu stabilisieren und Patiententransporte durchzuführen und vieles mehr. Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie gehören ebenso zu den Unterrichtsfächern wie Kommunikation. Das Gelernte werde auf der Rettungswache und im Klinikum vertieft. „Es ist gut, hinter die Kulissen zu gucken“, finden beide.

Im Klinikum lernen sie unter anderem in der Notaufnahme und in der Anästhesie Abläufe und Strukturen kennen. Das Legen intravenöser Zugänge und andere Maßnahmen in ruhiger Atmosphäre üben zu können, finden sie wichtig. „Damit das später in Stresssituationen gelingt.“

Das Bedienen der medizinischen Geräte – angefangen beim EKG über Beatmungsgeräte bis hin zum Knochenbohrer – erlernen Joya Vrieling und Töns Krähahn, die schon jetzt mit erfahrenen Kollegen auf dem Rettungswagen mitfahren dürfen, bereits in der Schule. „Die routinierte Anwendung erlernen wir dann hier in der Rettungswache“, berichten beide. Noch üben sie mit Simulationspuppen, später sie Menschen in Not helfen.

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