Sorgen um die Sicherheit

Diskussion um die Befürchtungen der Nachbarn auf Einladung der Johanniter. Rechts Pfarrerin Monika Ditenbeck-Goseberg.

Lüdenscheid - Es gibt erwartungsgemäß Vorbehalte, Sorgen, konkrete Ängste bei den Nachbarn der Notunterkunft für Flüchtlinge, die am Montag am Dickenberg aus dem Boden gestampft wurde.

Aber es gibt auch Befürchtungen, die man im Gespräch ausräumen kann, so wie das am Mittwochabend im Gemeindezentrum in der Rathmecke passierte.

Etwa 30 der direkt betroffenen Anlieger waren auf Einladung der Johanniter dorthin gekommen und stellten ihre Fragen in einer anfangs emotionalen, aber immer konstruktiven Debatte mit JUH-Vorstand Birgit Niehaus, Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg, Pressebeauftragter Jutta Beißner und Martina von Schaewen, zuständig bei der Stadt für Soziales und Rechtsfragen.

Manche Probleme werden sich einfach lösen lassen: Um die flächendeckende Halteverbotsregelung aus feuerwehrtechnischen Gründen wird sich die Stadt heute kümmern und sie vielleicht zum Teil zurücknehmen. Und es fehlen jetzt Spiel- und Sportmöglichkeiten durch den Wegfall der Schulsporthalle. „Für Kinder ist kein Geld da, und hier wird’s rausgehauen“, macht eine nachbarin ihrem Ärger Luft.

Birgit Niehaus nimmt das auf, signalisiert Verständnis. Aber sie spricht auch von der Vorstellung, „mit meiner Tochter selbst einmal in einem solchen Feldbettenlager schlafen zu müssen“, und dabei stockt ihr die Stimme. Es wird offen und ehrlich diskutiert und argumentiert.

Man könne kaum mehr schlafen, sagen übereinstimmend zwei Anwohnerinnen. Den Verkehr an Einsatzfahrzeugen bis in die Nacht hinein kennt man an der ruhigen Schulstraße nicht und auch nicht Patrouillengänge mit Suchscheinwerfern und Schäferhunden. „Wie sollen wir mit den Menschen umgehen? Was soll ich tun, wenn sie auf unser Grundstück kommen?“ „Mit einem Lächeln und einem freundlichen ,Hallo’“, hält ihnen Dr. Ulrich Gallenkamp entgegen. Es gebe überhaupt keinen Grund, den Neuankömmlingen kriminelles Potenzial oder Gewaltbereitschaft zu unterstellen. Und im Laufe der Versammlung kristallisiert sich eine gang andere Sorge heraus. „Wer schützt die Flüchtlinge?“ Denn im Raum steht auch die Angst vor Übergriffen. Drei Männer mit Bomberjacken hätten sich nahe der Unterkunft aufgehalten, sie möglicherweise ausgespäht. Den Johannitern ist das Fahrzeug ebenfalls aufgefallen, sie haben den Vorgang der Polizei gemeldet, die mit drei Einsatzfahrzeugen angerückt sei. Jutta Beißner bittet die Nachbarn um Aufmerksamkeit und darum, alles Verdächtige sofort der Polizei zu melden.

Die anfangs etwas skeptische Grundstimmung schwindet, Kritik muss sich jetzt die Stadt gefallen lassen: Das Schreiben an die Anwohner empfinden sie als Ausgrenzung, geradezu als Verbot, sich den Fremden zu nähern. Das sei nicht das Ziel gewesen, erklärt dazu Martina von Schaewen. Die Information sei in der Eile vielleicht missverständlich formuliert. Man habe vor gesundheitlichen Gefahren im Frühstadium warnen wollen, habe dabei übers Ziel hinausgeschossen, räumt sie ein.

Ungeklärt bleibt die Frage, wie lange die Unterkunft aufrechterhalten werden muss. Die Johanniter rechnen mit rund acht Wochen, die Anwohner fürchten eine längerfristige Unterbringung.

Zwei Stunden reden Johanniter und Nachbarn im Gemeindezentrum miteinander, sprechen über die Not der Gäste und ihrer Kinder. Zum Schluss beten sie miteinander für die 150 Flüchtlinge in der Schule nebenan.

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