Johannes Broxtermann spricht über Veränderungen

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Johannes Broxtermann.

Lüdenscheid - „Abschiede kann man nicht feiern, man muss sie hinter sich bringen.“ Mit diesem Zitat beginnt Johannes Broxtermann das Gespräch über seine Verabschiedung als Pfarrer der Katholischen Pfarrei St. Medardus. Eine Veränderung wird es auf jeden Fall werden, wenn der 66-Jährige heute offiziell das Amt verlässt. „Aber ich bin nicht so aufgeregt“, sagt er, denn: „Die Umgebung, die Leute bleiben, nur die Rolle wird eine andere.“

Und die hat er sich, wie berichtet, selbst ausgesucht. Er bleibt als „Vikarius“ – so die kirchenrechtliche Bezeichnung – Mitglied des Pastoralteams, möchte mehr Zeit für die Seelsorge, für Besuche bei den Menschen in der Pfarrei haben. Beeinflusst wurde der Zeitpunkt für diese Entscheidung auch durch einen bevorstehenden weiteren Umstrukturierungsprozess im Bistum Essen. Johannes Broxtermann hielt es deshalb für an der Zeit, die Leitung der Pfarrei in die Hände eines Jüngeren abzugeben. Im September wird Andreas Rose in Lüdenscheid erwartet. die offizielle Einführung als Pfarrer wird am 19. September im Rahmen des Gemeindefestes von St. Joseph und Medardus erfolgen.

Umdenken nach 25 Jahren müssen wohl vor allem die Lüdenscheider, für die Johannes Broxtermann künftig „nur“ noch Pastor ist. Zeit dafür wird er sich selbst und den Gemeindemitgliedern etwa bis Weihnachten geben – solange nimmt Broxtermann sich eine Sabbatzeit, mit nur wenigen Verpflichtungen. Er wird in dieser Zeit reisen und sich auch in seiner neuen Wohnung am Honsel einleben. Der Umzug ist – wie bei jedermann – begleitet von Aufräumaktionen, die immer wieder zu einem Blick zurück anregen.

Abschied 

Zur Verabschiedung, die mit der Messe um 17 Uhr in der Kirche St. Joseph und Medardus beginnt und anschließend mit einem Empfang im Pfarrsaal begangen wird, lädt Broxtermann „herzlich jeden ein, der kommen möchte“, wie er selbst sagt.

Reden wird es in der Kirche geben, im Pfarrsaal dann vor allem „was zu futtern“ – mehr weiß er selbst nicht, denn die Organisation liegt in den Händen einer Gruppe aus der Gemeinde.

Selbst überrascht ist Johannes Broxtermann über einen Pfarrbrief aus dem November 1991: Fast prophetisch hat er angesichts einer damals veröffentlichten Statistik zur Altersstruktur der Priester die aktuelle Entwicklung im Bistum Essen und seinen Pfarreien vorausgesehen: „Der nächste Bischof erbt mit dem Priestermangel ein riesiges, kaum lösbares Problem“, schrieb Broxtermann damals mit Blick auf zehn bis 20 Jahre in die Zukunft. Schon damals ging er auf verschiedene Szenarien und Fragen ein, die heute Realität sind oder offen diskutiert werden: Die Zusammenlegung von Pfarreien, die Einstellung hauptamtlicher Laien, Aktivierung der Gläubigen, Aufhebung des Zölibats oder Priestertum der Frau. Broxtermanns Fazit 1991: „Ich würde mir sehr wünschen, dass in unserem Bistum wie in Deutschland wie in der Gesamtkirche ein offenes, freimütiges Gespräch möglich wird wie es in Zukunft (im Jahr 2000) mit der Kirche und ihren Ämtern und Diensten weitergeht. Ein Gespräch mit Konsequenzen! Einfach so weiterzuwursteln und den Mangel zu verwalten – das ist die schlechteste Antwort.“ Die erste Strukturreform im Bistum Essen gab es 2006, die nächste steht bevor. Die ständigen Debatten darüber sieht Broxtermann auch heute kritisch – vieles ziele dabei auf die Rolle des Priesters ab und der sei nun einmal Mangelware. „Ein guter Weg ist, glaube ich, wenn jede Gemeinde einen Menschen hat, der sich kümmert“, sagt Broxtermann und legt sich bewusst nicht fest auf dessen Funktion. Das Lüdenscheider Pastoralteam habe aktuell zehn Mitglieder.

Der Weg der Individualisierung der Menschen führe zu einer „Freiwilligkeitskirche, wie wir sie so historisch noch nie gehabt haben“, analysiert Broxtermann die Situation. Das bedeute aber auch, dass Kirche viel mehr auf die individuellen Fragen und Bedürfnisse der Menschen eingehen und Antworten bieten müsse. „Kirche zu erleben als einen Ort der Freiheit“ das sieht er als die neue Herausforderung und Chance.

Rückblickend auf seine Zeit als Pfarrer in Lüdenscheid sieht Broxtermann vor allem drei Aspekte als prägend: Die Vielfalt der Aufgaben sei das eine, gerade am Anfang, als mit Kirchenrenovierung, Bau von Pfarrhaus und Kindergarten gleich mehrere Bauprojekte anstanden. Die Freiheit, neben den Pflichten im Amt auch eigene Akzente setzen zu können, beispielsweise mit dem Engagement für Guatemala und Afrika, schätzt er ebenfalls. Das dritte ist die Zusammenarbeit in der Pfarrei, die durch das Pastoralteam sehr gefördert worden sei. „Die Teamarbeit und die Hochschätzung des Ehrenamtes sind mir wichtig.“

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