Schauspielerin im Interview

„Es ist nur eine Phase, Hase“: Neuer Kinofilm mit Johanna Giraud aus Lüdenscheid 

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Die Schauspielerin Johanna Giraud stammt aus Lüdenscheid und lebt heute in Köln.

Lüdenscheid – Die Wurzeln der Schauspielerin Johanna Giraud, die 2021 unter anderem in der Bestsellerverfilmung „Es ist nur eine Phase, Hase“ im Kino zu sehen sein wird, liegen in Lüdenscheid. Hier wirkte sie in der Theater-AG des Bergstadt-Gymnasiums mit, wo sie unter anderem durch Lehrer Matthias Wagner viel für ihren späteren Lebensweg lernte. Im Interview mit  Björn Othlinghaus plaudert die 28-Jährige über ihr Leben.

Sie leben heute in Köln. Zieht es Sie immer noch zurück nach Lüdenscheid?

Johanna Giraud: Nach Lüdenscheid komme ich noch jedes Jahr zu Weihnachten, um Heiligabend bei meiner Familie zu verbringen. Meine Mama wohnt noch in Lüdenscheid, und ich habe einige Freunde im Sauerland, zu denen ich den Kontakt halte. Insgesamt hat sich mein Lebensmittelpunkt aber doch sehr in die Großstadt verlagert. Hier in Köln treffe ich so viele Gleichgesinnte, denen ich mich nicht erklären muss. Ich habe mich hier vom ersten Tag an zuhause gefühlt.

Warum sind Sie Schauspielerin geworden?

Den Ruf der Bühne verspürte ich das erste Mal, als ich vier Jahre alt war und die Vorschulkinder im Kindergarten „Die Vogelhochzeit“ inszeniert haben. Leider war ich noch kein Vorschulkind, wollte aber trotzdem unbedingt mitmachen. Mit der Kassette zum Mitsingen konnte ich vorerst besänftigt werden und zumindest zuhause für mich „proben“. Als mein Jahrgang dann im nächsten Jahr eine Aufführung vorbereiten sollte, sprang ich sofort auf, als nach Freiwilligen für die Hauptrolle gefragt wurde. Es war „Der Regenbogenfisch“ nach dem Bilderbuch von Marcus Pfister, und die Lieder kann ich zum Teil heute noch. Ich wollte spielen. Ich wollte auf die Bühne. Das ganze Proben und Basteln der Kostüme und Requisiten gefiel mir so gut, dass für mich klar war: Das ist genau mein Ding. Als ich älter wurde, gewann zunächst die Vernunft die Oberhand, und ich habe in verschiedene andere Berufe hineingeschnuppert. Das hat mir alles Spaß gemacht, aber es half nichts. Mein Weg führte mich nach dem Abitur zur Schauspielschule. Ich bereue es nicht!

Wie haben Sie als Schauspielerin den Corona-Shutdown erlebt?

Alle Termine, Proben und Drehs sind abgesagt worden. Das war natürlich ein Schock. Generell ist es allerdings nicht außergewöhnlich, dass Jobs, für die bereits eine feste Zusage gegeben wurde, dann doch plötzlich nicht stattfinden. Daher hat mich der Absagen-Hagel auch nicht so unerwartet getroffen wie etwa die regulär Beschäftigten, bei denen der vermeintlich sichereJob auf einmal weggebrochen ist. Aber dieses Jahr ist alles anders. Auch für mich. Normalerweise bin ich zur Weihnachtszeit auf dem Weihnachtsmarkt und dekoriere dort die Hütten vom Kölner Dom-Spekulatius, um die Kasse ein wenig aufzubessern. Dieses Jahr ist der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom abgesagt. Auch das Hotel, in dem ich jobbe, hatte eine Weile komplett geschlossen. Keine Messen, keine Konzerte, kein Publikum. Viele Theater haben zwar mittlerweile wieder geöffnet, und ich spiele auch wieder, aber mit den Abstandsregeln sind besonders die kleinen Häuser schwer belastet. Ich konnte die Zeit des Shutdowns gut nutzen. Endlich war mal Luft, um die Datenbanken und Agenturen wieder zu aktualisieren und einige Arbeitsproben zu erneuern. Ein Großteil meiner Arbeit findet ohnehin zuhause statt. Bewerbungen schreiben, Text lernen, E-Castings, Sprech- und Fitnessübungen sowie allgemeine Planung der nächsten Termine. Die finanziellen Löcher konnten gut gestopft werden, da es für mich kurzfristig Arbeit an der Film Acting School Cologne gab, woran ich große Freude gefunden habe.

Was fasziniert und fordert Sie als Schauspielerin mehr: Bühne oder Film?

Auf der Bühne bin ich seit gut 23 Jahren zuhause. Hier haben wir Schauspieler noch die Kontrolle darüber, was erzählt wird und wie. Beim Film dagegen ist der Einfluss auf das Endergebnis gering. Die fertige Szene - Tempo, Reihenfolge, Musik - entsteht im Schnitt und kann stark abweichen von dem, was gespielt wurde. Auch kann eine Tagesrolle schon mal rausgeschnitten werden. Das gibt es auf der Bühne natürlich nicht. Am Set bekomme ich manchmal noch am selben Tag einen neuen Text, vieles wird erst kurz vorher erklärt, und dann wird zügig gedreht. Spielpartner und Crew lerne ich häufig erst kennen, wenn gedreht wird. Dennoch stehe ich sehr gerne vor der Kamera. Die Arbeit ist unglaublich präzise, die Kamera sieht alles! Jeder winzig kleine Moment, jede minimale Bewegung der Mimik zählt. Zudem entsteht hierbei ein bleibendes Werk das mehr Menschen erreicht, was ich sehr reizvoll finde. In dem neuen Film „Efreet“ spielen Sie die Hauptrolle. Können Sie schon sagen, worum es geht und wo er zu sehen sein wird?

Ich spiele da eine junge Mutter, deren Tochter von Albträumen geplagt wird. Auf der Suche nach der Ursache stoße ich auf ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit und einen uralten Fluch. Wer Stephen-King-Verfilmungen mag, dem wird die Story sicher gut gefallen. Ursprünglich sollte ab April gedreht werden, denn der Film spielt im Sommer. Dann kam Corona. Da es nun schon Herbst ist, wird es noch einige Außendrehs im nächsten Jahr geben. Ich gehe davon aus, dass der fertige Film zunächst auf Festivals läuft und dann an Streaming-Dienste verkauft wird.

Wie sieht es mit der Premiere eines Ihrer Filme in der Bergstadt aus?

Das würde mich natürlich sehr freuen. Sollte ich zukünftig eigene Projekte verwirklichen, könnte ich mir das sehr gut vorstellen. Bei regulären Jobs ist mein Einfluss auf die Vermarktung eher gering, aber wer weiß. Während meiner Schauspielausbildung ist es mir ja auch gelungen, Thomas G. Waites, einen gefragten Off-Broadway-Regisseur, zu überreden, unser Stück im Kulturhaus Lüdenscheid aufzuführen. Bei Gelegenheit komme ich gerne wieder.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die Schauspieler werden wollen?

Einen kreativen Drang kann niemand aufhalten. Wer es ernst meint mit seinem Vorhaben, der sollte sich an ein Umfeld wenden, das die Entscheidung respektiert und im besten Fall den Werdegang unterstützt. Aber erwartet nicht zu viel. Keiner wird da an die Hand genommen. Wer sich schnell hilflos und alleingelassen fühlt, ist in der Branche eher nicht so gut aufgehoben. Den besorgten Angehörigen und besonders den Eltern kann ich sagen: Entspannt euch! Wenn es wirklich nicht das Richtige ist, dann stellt sich das sehr schnell heraus, und die Erfahrung ist sehr wichtig, um sich nicht ein Leben lang zu ärgern, sein Glück niemals versucht zu haben. Eigenverantwortung und Selbstdisziplin sind Grundvoraussetzungen für den Beruf. Wenn es hier mangelt, fällt man früher oder später auf die Nase, egal wie engagiert der Agent oder sonst wer einem den Rücken stärkt. Ebenfalls sehr wichtig ist Gelassenheit. Der Beruf bringt genug Unruhe und Stress mit, da ist es sehr wichtig, gut geerdet zu sein und zuversichtlich zu bleiben. Das Arbeitsfeld für Schauspieler ist vielseitig, mit zahlreichen Nischen und artverwandten Tätigkeiten: Musik, Tanz, Comedy, Synchronsprechen, Werbung, Modeln, Kurzfilm, Hörspiel, Moderation, Lesungen, Animation, Puppenspiel. Viele Kollegen arbeiten auch auf Kreuzfahrtschiffen, in Hotels, Freizeitparks und anderen Einrichtungen, in denen die Menschen unterhalten werden wollen. Es gibt viele Möglichkeiten, Talente und Qualifikationen sinnvoll einzusetzen.

Wie geht es bei Ihnen weiter auf der Leinwand und im Theater?

Im September und Oktober sind noch Auftritte mit dem Ensemble „Poesie für dich“ in Köln geplant. Ab Oktober spiele ich darüber hinaus die Rolle der Recha in „Nathan der Weise“ im Ensemble des Theater Tiefrot. Weitere Engagements um die Weihnachtszeit sind aktuell in Planung. In Kürze wird dann die Literaturverfilmung „Es ist nur eine Phase, Hase“ gedreht. Der Film soll 2021 ins Kino kommen. Ebenfalls jetzt im September steht noch ein Fotoshooting an. Danach konzentriere ich mich auf die Dreharbeiten von „Efreet“. Im nächsten Jahr möchte ich dann damit anfangen, eigene Projekte in Angriff zu nehmen, die schon lange geplant sind.

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