Demenzpatienten: "Dramatische Entwicklung"

Demente Patienten brauchen mehr Unterstützung.

Lüdenscheid - Immer mehr Menschen, die dement oder verwirrt sind, benötigen Unterstützung, wenn sie aufgrund anderer Erkrankungen ins Klinikum Lüdenscheid kommen. „Die Anzahl der Betroffenen ist von 1915 im Jahr 2011 auf 2649 im vergangenen Jahr gestiegen“, sagt Pflegewissenschaftler Jörg Burbaum.

Von Martin Messy

Er arbeitet seit Februar 2013 als Gerontologischer Pflegeexperte im Klinikum. „Das sind 5,5 Prozent der jährlich 37.000 stationären Patienten. Aber da Demenz ja nicht die Hauptdiagnose ist, gibt es eine hohe Dunkelziffer. Ich gehe von 20 Prozent der Patienten aus, die kognitive Beeinträchtigungen im Alter vorweisen. Die Entwicklung ist dramatisch.“

Dies stelle die Krankenhäuser vor eine große Herausforderung, berichtete Burbaum im Sozial- und Seniorenausschuss. Gehe man nicht auf die Demenz oder das Verwirrtsein ein, könne es zu größeren Komplikationen, zum Beispiel psychische Traumata, mehr Schmerzen, sogar schwereren Erkrankungen nach dem Krankenhausaufenthalt kommen.

„Menschen mit Demenz kommen aus ihrer gewohnten in eine befremdliche Umgebung, nehmen beängstigende Reize wahr und treffen auf für sie nicht verstehbare Strukturen und Prozesse“, erklärte Burbaum.

Das Klinikum sei ein „großer Tanker“ mit 904 Betten und 28 Fachabteilungen. Zu den 37.000 stationär aufgenommenen Patienten kämen 100.000, die ambulant behandelt werden.

Für die Themen Demenz und Delir (Verwirrtheit) herrschten noch mangelnde Sensibilität und mangelndes psychisches Fachwissen unter den Ärzten und Mitarbeitern auf den Akutstationen. Die Patienten erlebten zu wenig Zuwendung, was der nicht ausreichenden Personalsituation geschuldet sei. „Krankenhäuser sind nicht auf die zentralen Bedürfnisse Dementer ausgerichtet.“

Erste Ansätze, die darauf reagieren, gebe es allerdings – wie die Demenzpflegekurse für Angehörige, Arbeitsgruppen mit Pflegekräften und Ärzten, eine Unterstützung durch die Psychiatrie und die Weiterbildung von zwei Mitarbeiterinnen zum „Demenzcoach“.

Jörg Burbaum hat zudem Modellstationen entwickelt, Pflegekräfte geschult und die Beratung von Angehörigen und Patienten intensiviert, um nur einige Projekte zu nennen. Zudem wurden zwei „Stuben“ eingerichtet mit warmen Farben, großen Fenstern, vertrautem Mobiliar, jahreszeitlichen Dekorationen und sturzfederndem Boden.

In dem „Projekt Zuwendung“ kümmern sich zudem neun ehrenamtliche Damen um demente Patienten. „Bei aller Würdigung des Engagements ist das aber ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir brauchen angesichts der Entwicklung dringend eine bessere Personalausstattung.“

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