90 Jobs gestrichen

US-Konzern schließt weiteren Standort im MK

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Der Peha-Standort in Halver-Oeckinghausen: Hier gehen 90 Arbeitsplätze verloren.

Lüdenscheid - 17 Arbeitsplätze wandern von Halver zurück nach Lüdenscheid, 90 gehen verloren: Die Planungen für die Schließung des Standorts in Halver bei Peha, Traditionsunternehmen mit Wurzeln in Lüdenscheid, sind nun konkret. Wut und Enttäuschung bei Belegschaft und Betriebsrat sind riesig.

Dass die Firma Peha den Standort an der Daimler-Straße in Halver schließen will, hatte das US-Konsortium Honeywell, seit Oktober 2010 Eigentümer der Firma, der Belegschaft im Januar mitgeteilt (wir berichteten). Nun wird es ernst: Seit dem 2. Juli gibt es einen Sozialplan, einen Interessenausgleich und eine freiwillige Betriebsvereinbarung, die der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung ausgehandelt hat. Und es gibt ein Datum, an dem die Lichter ausgehen sollen: Am 31. März 2021 soll das Gebäude im Gewerbegebiet in Oeckinghausen zum Verkauf stehen.

90 Arbeitsplätze weg

90 Arbeitnehmer am Standort Halver werden das Unternehmen verlassen und ihren Arbeitsplatz verlieren. Ihnen liegt aktuell ein Angebot vor, nach dem sie je nach Betriebszugehörigkeit sechs oder zwölf Monate in einer Transfergesellschaft unterkommen sollen. Dort sollen ihnen Möglichkeiten zur Qualifizierung geboten werden, auch Beratung für Bewerbungen, u.a. in englischer Sprache. Die Mitarbeiter sind in Teilen seit 20 Jahren und länger im Unternehmen - eine Bewerbung haben viele vielleicht in grauer Vorzeit mal auf einer Schreibmaschine getippt.

Die Mitarbeiter werden die Angebote, in der Transfergesellschaft unterzukommen und so in einer schwierigen Zeit voller Existenzängste Zeit zu gewinnen, wohl nach Informationen unserer Zeitung weitestgehend annehmen. Am 31. August sollen die ersten 50 Mitarbeiter in diese Transfergesellschaft kommen, am 31. Oktober weitere 19, am 31. Dezember noch einmal 20, und der letzte Mitarbeiter schließlich am 31. März. Danach soll es den Standort in Halver nicht mehr geben.

Standort Lüdenscheid 

Die übrigen 17 Mitarbeiter aus den Bereichen Vertrieb, Marketing und technischer Support sollen im Januar nach Lüdenscheid zurückkehren. An der Gartenstraße sollen Räume für den kleinen verbliebenen Rest angemietet werden - und zwar ausgerechnet in dem Gebäude, in dem sich einst die Paul Hochköpper GmbH & Co. KG (Peha) zu einem führenden Hersteller von Gebäudesystemtechnik und Elektroinstallationslösungen entwickelte, zu einem Unternehmen, das in der Blütezeit an den Standorten in Werne, Neuenrade und Lüdenscheid fast 400 Mitarbeiter beschäftigte. Angemietet, weil Honeywell das Gebäude längst verkauft hat. Hier sind inzwischen andere Firmen angesiedelt. Es gibt Teile der Belegschaft, die dieses Vorgehen für besonders makaber halten.

Den Standort in Lüdenscheid hatte Honeywell in der dritten von vier Maßnahmen zur Restrukturierung geschlossen - 2014 war die Entscheidung gefallen, sich von dem Ort, an dem einst Paul Hochköpper und Otto Winkel 1922 das Unternehmen gegründet hatten, zu verabschieden und den Betrieb am Standort in Halver zu konzentrieren. Vorher hatte Honeywell sich bereits von den Standorten in Werne (1. Restrukturierung im Jahr 2011) und Neuenrade (2. Restrukturierung mit Schließung im Jahr 2014) getrennt. Für den Betriebsrat ist die Schließung des Standorts in Halver inzwischen die vierte Restrukturierung binnen zehn Jahren - diesmal mit einem Outsourcing der kompletten Fertigung.

Umzug ins Ausland 

Die 17 verbleibenden Mitarbeiter in Deutschland bei Peha sollen ab 2021 dann die Peha-Produkte anpreisen und vertreiben, die Honeywell unter seiner Flagge sehr international (in Firmen, die andere Namen haben werden) produzieren lassen will. In Duisburg in einer Halle der Spedition Kühne & Nagel sollen diese Produkte danach gelagert und von dort aus in Deutschland und darüber hinaus vertrieben werden.

Die Montage wird derweil wie berichtet von Oeckinghausen nach Ungarn verlagert. Die Spritzerei geht nach Bulgarien. Entwicklung und Qualitätsmanagement siedeln um nach Southend-on-Sea (England) und Bengaluru (Indien). Aktuell sind Gäste aus Ungarn in Oeckinghausen zu Gast, die angelernt werden sollen. Im September sollen Peha-Mitarbeiter nach Ungarn reisen und das Anlernen vor Ort fortführen. Ab 2021 dann soll Ungarn allein zurecht kommen.

Von der noch im Januar ins Spiel gebrachten Möglichkeit für die Mitarbeiter, Ersatzarbeitsplätze im Ausland anzunehmen, ist aktuell keine Rede mehr. In Oeckinghausen bleiben Frust, Tristesse und eine Perspektivlosigkeit zurück, die die Arbeitnehmer in Corona-Zeiten noch härter trifft als vor einem oder zwei Jahren, als der Arbeitsmarkt noch bessere Alternativen geboten hat.

Einschneidende Maßnahmen an mehreren Standorten

Der Standort in Halver ist nicht der einzige, von dem sich Honeywell in Deutschland dieser Tage trennt. In Schönaich im Landkreis Böblingen schließt Honeywell bis 2022 ebenfalls ein Werk, in dem Klimatechnik für größere Gebäude entwickelt wird. Hier verlieren 160 Arbeitnehmer ihren Job – Honeywell hatte sich in Schönaich 2018 bereits von 45 Mitarbeitern getrennt. Auch an anderen Standorten gibt es einschneidende Maßnahmen, wie es die Betriebsräte bei einem Treffen von Konzern-Betriebsrat, Gesamt-Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung in Wiesloch bei Heidelberg im Austausch erfuhren. In Betriebsratskreisen der Gruppe wird vermutet, dass sich der internationale Konzern mit Sitz in Morristown (New Jersey, USA) so von Betriebsteilen trennt, um 2021 investieren und neue Betriebe kaufen zu können.

Honeywell hatte 2019 weltweit 113 000 Mitarbeiter und blickte auf einen Jahresumsatz von 36,7 Milliarden US-Dollar

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