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Jobabbau bei Siku in Lüdenscheid

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Von: Thomas Machatzke

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Siku Modellautos VW Käfer Werkzeugbau
Die Zeit des VW Käfers ist lange vorbei, und die Zeit des Werkzeugbaus der Sieper GmbH am Standort Lüdenscheid nun seit ein paar Tagen ebenfalls. © extern

Die Sieper GmbH in Lüdenscheid baut Stellen ab, verlagert die Arbeit des Werkzeugbaus an den Produktionsstandort im polnischen Zlotoryja.

Lüdenscheid – Die Lüdenscheider Sieper GmbH hat Generationen von Kindern Freude bereitet mit ihren Spielzeug-Autos. Siku und Wiking sind Markennamen, die jedes Kind und mithin jeder Erwachsene kennt. Ein Werbeträger, den sich jede Stadt nur wünschen kann – so positiv besetzt, wie die Produkte der Firma sind.

Umso schmerzlicher liest sich die Nachricht, dass die Sieper GmbH am Ort wieder ein Stückchen kleiner wird. Seit Anfang August gibt es in Lüdenscheid keinen Werkzeugbau mehr. Das, was von einem einst respektabel großen Werkzeugbau übrig geblieben ist, ist verlagert worden an den polnischen Firmenstandort Zlotoryja. Seit 1995 hat der zweite Produktionsstandort in Zlotoryja die Produktion in Lüdenscheid unterstützt. Nun sieht es eher so aus, dass Werkzeugbau und Produktion dort ganz gut alleine klarkommen.

Die Produktion der Blister-Modelle war bereits zu Beginn der 1990er Jahre nach China ausgelagert worden, 1995 folgte der zweite Produktionsstandort in Zlotoryja. Er ist so alt wie das Logistikzentrum mit vollautomatischem Hochregallager am Timberg. „Made in Germany“ – das ist schon länger eher eine schöne, romantische Geschichte.

Jobabbau bei Siku in Lüdenscheid

Durch die Schließung des Werkzeugbaus in Lüdenscheid verlieren inklusive der Auszubildenden 14 Mitarbeiter ihren Job. Wobei: Sie alle sind vom Unternehmen anderswo untergebracht worden. Teils in anderen Unternehmen (zum Beispiel die Azubis), zum Teil kamen Rentenregelungen zum Tragen, in anderen Fällen wurden Vergleiche geschlossen – viele Mitarbeiter waren dabei, die schon sehr lange fürs Unternehmen tätig waren. Die Sieper GmbH ist bis heute tarifgebunden – wer nun wechselt, muss mitunter Verschlechterungen in Kauf nehmen. Immerhin aber ist niemand in die Arbeitslosigkeit entlassen worden.

Drei Mitarbeiter sind noch da und betreuen nun die anstehenden Reparaturen der Spritzgussmaschinen für die Produktion von Kunststoffteilen, die noch in Lüdenscheid verblieben ist. Es ist zwar auch keine Endfertigung von Produkten mehr, wohl aber eine Teilfertigung.

Die Entscheidung, den Werkzeugbau komplett zu verlagern, hatte die Geschäftsleitung schon vor geraumer Zeit im Rahmen einer Betriebsversammlung verkündet. Ein Schritt, der schon lange feststand. Sie sieht damit im Grunde eine Fortsetzung des Trends der vergangenen Jahre, in denen es am Standort Lüdenscheid peu à peu weniger geworden war in diesem Bereich. In den vergangenen zwei Jahren kaschierte die Corona-Pandemie diese Entwicklung, das Instrument der Kurzarbeit griff auch bei der Sieper GmbH. Aber nun in die Kurzarbeit ausgelaufen, aber die Arbeit ist trotzdem nicht mehr geworden. Zumindest nicht hier für den Standort im Sauerland. Die Arbeit ist ostwärts gewandert.

Es stellt sich die Frage nach der Gesamtstrategie

Die Sieper GmbH, bei der mit Britta Sieper das letzte verbliebene Mitglied der Gründerfamilie vor einem Jahr aus der Geschäftsführung ausschied (seitdem ist Dr. Volker Eßmann als zweiter Geschäftsführer neben Jörg Stermann an Bord), hat in Spitzenzeiten 580 Mitarbeiter in Lüdenscheid beschäftigt. Inzwischen sind es noch knapp 200.

Lüdenscheid bleibt am Standort an der Schlittenbacher Straße die Zentrale des Unternehmens. Der kaufmännische Bereich ist hier ebenso angesiedelt wie der Verkauf und das Marketing, dazu die Konstruktion und Entwicklung sowie natürlich das Logistikzentrum am Timberg. Und zudem seit 2012 das Museum der Siku/Wiking-Modellwelt. Mit mehr als 3500 Ausstellungsstücken zeigt das Unternehmen an der Schlittenbacher Straße auf 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche Miniaturen unterschiedlichster Maßstäbe aus 100 Jahren Unternehmensgeschichte.

Was ist die Gesamtstrategie? Was kommt als nächstes? Diese Fragen stellen sich Beobachter der IG Metall und sehen eine Entwicklung hin zu einer Handelsgesellschaft mit dem Trend, die Dinge in der Region so effizient wie möglich zu lösen, um zukunftsfähig zu sein. Eine Aushängeschild für die Bergstadt bleibt das Unternehmen mit seinen Produkten in diesem Kontext allemal – auch wenn diese Produkte eigentlich nicht mehr aus Lüdenscheid, sondern aus China und aus Polen kommen. Seit wenigen Tagen mehr denn je.

Seit 1950 ein Hersteller für Modellspielwaren

Die Sieper GmbH ist ein in Lüdenscheid ansässiger Spielzeughersteller, der hauptsächlich für seine Miniaturen aus Metall und Kunststoff bekannt ist. Namhafte Sammelobjekte sind insbesondere die Modelle, meist Fahrzeuge, der Marken Siku (Sieper-Kunststoffe) und Wiking. 1921 gründete Richard Sieper ein Gießereiunternehmen in Lüdenscheid. Dieses wurde Basis der heutigen Firma Siku. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden hauptsächlich Konsumgüter, wie Besteck oder Aschenbecher gefertigt. Mit dem Aufkommen von thermoplastischen Kunststoffen wurden aus diesen Kleinmöbel wie Badezimmer-Spiegelschränke und Regale produziert. Der Aufstieg als Modellspielwaren-Hersteller begann 1950. Siku wurde als Marke eingetragen und gehörte zu den Ausstellern der ersten Nürnberger Spielwarenmesse. Die Produktion von Modellen aus Metall begann 1963. Diese werden nach wie vor im Zinkdruckgussverfahren hergestellt.

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