Jetzt droht eine lebenslange Haftstrafe

Lüdenscheid/Hagen - Kaum Zweifel, dass der Angeklagte auch der Brandstifter vom 2. November war, hatte die 6. große Strafkammer nach der umfangreichen Beweisaufnahme: Sie verurteilte den 53-jährigen Lüdenscheider wegen schwerer Brandstiftung zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Weil der Mann zum Tatzeitpunkt noch unter Bewährung stand, droht ihm nun die Verbüßung seiner lebenslangen Haft.

Der Fall

Weil er am 2. November 2013 im Keller eines Mehrfamilienhauses an der Luisenstraße Feuer gelegt haben soll, musste sich ein 53-jähriger Angeklagter vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Hagen verantworten. Besondere Brisanz hat das Verfahren, weil der Lüdenscheider Ende 1983 wegen Mordes und schweren Raubes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden war. 2009 wurde er auf Bewährung aus der Haft entlassen.

Der Angeklagte zeigte kaum eine Regung angesichts dieser Entscheidung. Einziger Strohhalm bleibt nun für ihn die Überprüfung des Urteils durch den Bundesgerichtshof. Verteidigerin Ursula Knecht kündigte diesen Schritt auf Nachfrage an.

„Ganz ehrlich: Im Indizienprozess hat man selten so viele Indizien, die auf die Täterschaft des Angeklagten hinweisen“, zeigte sich der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt sicher, dass die Kammer die richtige Entscheidung gefällt hat. „Es würde an ein Wunder grenzen, wenn es diesen unbekannten Täter gäbe“, sagte Christian Voigt mit Blick auf mögliche andere Brandstifter.

Stattdessen zeichnete der Richter das Bild eines Mannes, dem am Tattag seine Beziehung und damit sein wichtigster Halt abhanden gekommen war und der sich dafür rächen wollte. Wie er diesen Racheakt in Szene setzte, sei durchaus typisch für den Angeklagten hob der Richter hervor und verwies auf weitere „heimliche und hinterlistige“ Handlungen zum Schaden seiner Freundin. Der 53-Jährige neige nach Kränkungen und Enttäuschungen nicht zu impulshaftem und aggressivem Verhalten, sondern zu einem Rückzug und einer zeitverzögerten Racheaktion im Verborgenen. Natürlich sei es aus Sicht Anderer „Wahnsinn“ nach einem Beziehungsstreit ein Feuer zu legen.

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„Doch zu diesem Mann passt das“, sagte Voigt und verwies auf die Bewährungssituation des Angeklagten. Zum Zeitpunkt der Tat waren es nur noch sechs Monate bis zum Erlass der Reststrafe: „Wer unter diesem Damoklesschwert die Füße nicht stillhält, dem ist nicht mehr zu helfen.“

Keinen Anlass sah die Kammer, dem Angeklagten eine verminderte oder gar aufgehobene Schuldfähigkeit zu attestieren. Positiv wertete die Kammer die zunächst relativ erfolgreichen Bemühungen des Angeklagten, nach der Entlassung aus der haft sein Leben in den Griff zu bekommen. Er fand vorübergehend Arbeit und führte ein sozial angepasstes Leben. Entlastende Momente hervorzuheben war aber letztlich vergeblich: „Es ist ziemlich egal, was hinten rauskommt“, gab der Richter der Verteidigerin Recht. Jede kleiner ausfallende Verurteilung hätte ebensolche Folgen für das weitere Schicksal des Angeklagten gehabt. - thk

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