Drei CDU-Austritte auf einen Schlag

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Jens Braeuker

Lüdenscheid - Unzufriedenheit mit der Bundespartei und Kritik an politischen Entscheidungsprozessen vor Ort – das sind die Gründe, warum Jens Braeuker, Stefan Pietzner und Rüdiger Wilde aus der CDU ausgetreten sind.

Während Jens Braeuker, Geschäftsführer von it-consulting und Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung, ausschließlich bundespolitische Gründe nennt – „ich bin im Wahlkampf nicht für die Rente mit 63 und die Einführung des Mindestlohns angetreten“, beklagt Stefan Pietzner: „Wir waren früher bürgernäher.“ Auch wie die Partei mit dem schlechten Wahlergebnis bei der letzten Kommunalwahl umgegangen sei, habe ihm nicht gefallen. „Die CDU hatte nur drei Direktmandate errungen und trotzdem wurde das als Erfolg gefeiert. Dabei haben wir nun wahrlich schon bessere Zeiten gesehen.“

Der 44-jährige Unternehmer und Geschäftsführer der Halveraner Meding GmbH, der Vorsitzender des Planungs- und Umweltausschusses und im CDU-Arbeitskreis Umwelt aktiv war, schloss ein weiteres politisches Engagement nach 24 Jahren CDU-Parteibuch nicht aus: „Wenn, dann wird es eher in die grüne als in die gelbe Richtung gehen.“ Als Vater zweier Kinder sei es ihm wichtig, die Lasten nicht immer mehr auf die nachfolgenden Generationen zu verschieben. Außerdem setze er in seiner Firma bei Investitionen auf Energieeinsparung. „Ich stehe nicht mehr hinter der Politik der CDU“, sagt er. Wie Braeuker kritisiert er, dass sich die Bundespartei in den Koalitionsverhandlungen zu wenig habe durchsetzen können und macht das neben der Rente mit 63 und Mindestlohn auch an Pkw-Maut und Betreuungsgeld fest.

Rüdiger Wilde hat eine Legislaturperiode für die CDU im Rat gesessen und zieht nach dieser Zeit eine ernüchternde Bilanz: „Die Möglichkeit, etwas zu bewegen, geht gegen Null. Schnell verlieren sich die Diskussionen im Klein-Klein, die Fachkenntnisse in den politischen Gremien sind gering, und das städtische Planungsamt schmettert Anregungen ab“, kritisiert der 64-jährige Architekt. Politische Entscheidungen würden eher nach dem Bauchgefühl gefällt, nicht nach sachlichen Erwägungen. „Man investiert viel Zeit, um etwas positiv zu entwickeln, doch keiner macht mit.“

CDU-Fraktionschef Oliver Fröhling betont, das Bundetagswahlergebnis habe Kompromisse erforderlich gemacht. „Die Kritik an mangelnder Bürgernähe vor Ort kann ich nicht nachvollziehen. Hätte die CDU sich nicht gegen den Umzug der VHS und der Musikschule gewandt, wären die Einrichtungen jetzt an der Kaiserallee“, führt er an. „Ich finde es schade um jeden, der die Möglichkeit verpasst, vor Ort Politik mitzugestalten“, bedauert Fröhling die Austritte.

Ortsparteivorsitzender Ralf Schwarzkopf betont, Demokratie bedeute, Kompromisse eingehen zu müssen, um Mehrheiten zu finden. „Wenn aber die gesellschaftliche Bindekraft immer mehr nachlässt, ist das sehr bedauerlich. Ich hätte mir gewünscht, die Drei hätten das vor ihrer Entscheidung berücksichtigt.“

Von Martin Messy

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